Blog-Info

Christliche Fundamentalisten halten ihren Glauben für den einzig wahren. Die Bibel ist Glaubensgrundlage und gleichzeitig strenges Regelwerk für den Alltag. Andere Religionen lehnen sie ab, alle Nichtchristen wollen sie bekehren. Homosexualität gilt als Sünde. Sex vor der Ehe ist verpönt. Die Evolutionstheorie stellen sie in Frage. Und bibeltreue Lobbyvereine bemühen sich um Einfluss auf Politik und Medien. Wir wollen kritisch über die Evangelikale Bewegung berichten.
Unser Buch "Mission Gottesreich – Fundamentalistische Christen in Deutschland" bietet einen Überblick. In dem Blog wollen wir weiter über Beiträge, Gemeinschaften und Veranstaltungen von Evangelikalen informieren sowie auf andere Berichte über Evangelikale hinweisen. Außerdem veröffentlichen wir hier Reaktionen auf das Buch.

“Evangelikale schüchtern massiv ein”

Vorsitzende von “Offene Kirche” im taz-Interview

Der schleichende Machtanspruch der Evangelikalen habe ein unerträgliches Ausmaß angenommen, sagte Kathinka Kaden, Vorsitzende der evangelischen, liberalen Vereinigung “Offene Kirche” in einem taz-Interview am 1.3.2009. Die Pastorin kritisiert den Einfluss der Evangelikalen auf die Landeskirche in Württemberg. “Sie betreiben eine massive Einschüchterung Andersdenkender”, so Kaden. Und der Dachverband der Evangelikalen, die “Deutsche Evangelische Allianz”, sei außerdem “sehr finanzstark, einflussreich und intransparent”, erklärt die evangelische Pastorin.  An den Evangelikalen störe sie “das wortwörtliche Bibelverständnis, die theologische Enge, das Ausschalten der kritischen Vernunft” – das sei für sie fundamentalistisch. So sei “Feminismus” für die Evangelikalen fast schon ein Schimpfwort, ebenso wie “homosexuell”.



Religiöser Fundamentalismus

Kirchliche Fachstelle gibt Überblick

Jede Form der „historisch-kritischen Methode der Bibelkritik“ werde von Fundamentalisten leicht als Angriff auf den christlichen Glauben verstanden, schreibt die Fachstelle der evangelischen und katholischen Kirche „Medien und Kommunikation“ (muk) in München. Weiteres Merkmal des christlichen Fundamentalismus ist danach die „wörtliche Irrtumslosigkeit der Bibel“ als unverzichtbare Glaubensgrundlage nicht nur in religiösen, sondern auch in geschichtlichen und naturwissenschaftlichen Belangen. Fundamentalisten würden „die Dekadenz, die Entartung bzw. den Verfall an der individuellen Moral“ insbesondere an Fragen wie Abtreibung, Gentechnik, Biomedizin, Homosexualität und dem vorehelichen Geschlechtsverkehr festmachen. In Deutschland vertrete die Deutsche Evangelische Allianz, ein Zusammenschluss evangelikaler Christen, fundamentalistische Ansichten und strahle in die Volkskirchen hinein, heißt es in dem Fachartikel „Fundamentalismus“ vom März 2009. Darüberhinaus gibt der Autor Gottfried Posch einen Überblick über Fundamentalismus in verschiedenen Religionen und beschreibt Entwicklungen in den USA.



„Im Trend, aber gegen die Bibel“

Evangelikale Zeitschrift kritisiert US-Präsident Obama

Kurz nach seinem Amtsantritt hatte der neue US-Präsident Barack Obama einen Gebetsgottesdienst mit Repräsentanten verschiedener Religionen gefeiert. Diesen „multireligiösen Kurs“ kritisiert der Chefredakteur der evangelikalen Zeitschrift ideaSpektrum Helmut Matthies. Er schreibt dazu Anfang 2009: „Im Trend, aber gegen die Bibel.“ Matthies glaubt: „Diese Einheit steht konträr zu dem, was der Herr der Kirche sagt, Jesus Christus.“ Nach dem neuen Testament komme man zu dem „einen einzigen Gott nur durch Jesus Christus allein“, so Matthies. „Das klingt hart, ist aber der alleinige Weg, um in den Himmel zu gelangen.“
Auch die Familienpolitik Obamas bewertet er negativ. Denn Obama hat die Entscheidung von seinem Amtsvorgänger George W. Bush aufgehoben, nach der amerikanische Steuergelder nicht an Organisationen fließen dürfen, die in Entwicklungsländern Abtreibungen vornehmen oder für sie werben. „Das Geld der Steuerzahler wird vielen Kindern das Leben kosten“, schreibt Matthies.
Für George W. Bush dagegen findet der idea-Spektrum-Leiter lobende Worte. Bush sei „Clintons Sexaffäre“ mit „allseits sichtbarem Eheglück“ begegnet. Und nach den Terroranschlägen in New York und Washington habe es das Ziel von Bush sein müssen, sein Volk zu schützen. Zur Einrichtung des Gefangenenlagers auf Guantanamo und zum Irakkrieg fragt sich Matthies, wie die Welt ohne diese drastischen Maßnahmen heute aussähe. 

Quelle: ideaSpektrum Nr. 5, 28. Januar 2009, S.3



Kreationismus im Hörsaal

Evangelikaler führt Kampf gegen die Evolutionstheorie

Als Ingenieur ist er in Rente, doch als bibeltreuer Missionar arbeitet er engagiert weiter. Und dabei führt Werner Gitt seinen persönlichen Kampf gegen die „Evolutionslehre“. So fragt sich der bibeltreue Christ in einer seiner Broschüren: „Warum ist die Evolutionslehre so gefährlich?“ Seine Antwort heißt, sie verführe die Menschen zum Atheismus, und mit „atheistischer Einstellung“ landeten sie „nach dem Zeugnis Jesu in der Hölle“. Für ihn ist Gott der „Schöpfer“, Christus der „unverrückbare Fels“. „Ideologien, Atheismen und Evolutionssysteme zerschellen hier“, so Gitt. Der Kreationist ist überzeugt davon, dass Gott die Erde in sechs Tagen geschaffen hat. Dabei unterliegen seiner Ansicht nach die „Methoden“ des „Schöpfers“ nicht dem „naturgesetzlichen Geschehen“. Gitt schreibt: „Die heutigen Naturgesetze regeln die Abläufe in unserer Welt; sie sind aber nicht die Ursache, sondern erst das Ergebnis der Schöpfung.“ Gitt wirbt immer wieder während öffentlicher Missionsveranstaltungen für seinen bibeltreuen Glauben und leugnet dabei naturwissenschaftliche Erkenntnisse. Im Herbst 2008 durfte er seinen Vortrag „Warum ich als Wissenschaftler an die Bibel glaube“ auch im Audimax der Leibniz Universität Hannover halten. Im Februar 2009 referierte er dort erneut vor Studierenden. Veranstalter war in beiden Fällen das evangelikale Forum Bibel – Glaube – Wissenschaft.




Keine politische Zurückhaltung mehr

taz berichtet über Evangelikale

“Sie kämpfen gegen Emanzipation und Evolutionslehre, Pornografie, Homosexualität und den Islam”, schreibt Wolf Schmidt im Januar 2009 in der taz über Evangelikale. Sie seien auf einem Kreuzzug gegen den Zeitgeist. Lange hätten sich die Evangelikalen in Deutschland abgeschottet. Inzwischen sei aber von politischer Zurückhaltung nichts mehr zu spüren. Immer lauter mischten sie sich in Debatten und Wahlkämpfe ein, bombardierten Politiker mit Briefen und Fragen, so Schmidt. “Die Evangelikalen betreiben ein ganzes Netzwerk aus Zeitschriften, Nachrichtenagenturen, Fernsehsendern und Radiostationen, sie beschäftigen eigene Lobbyisten und PR-Kräfte”, erklärt der taz-Autor. In seinem ausführlichen Magazin-Beitrag berichtet Schmidt weiter über die Biblische Glaubens Gemeinde (BGG) in Stuttgart, deren Gottesdienste jeden Sonntag mehrere Tausend Menschen besuchen. Außerdem schreibt er über das geplante “Genesis-Land”, einen kreationistischen Freizeitpark, über die Missionsbemühungen von “Campus für Christus” und über Eltern, die aus Glaubensgründen ihren Kindern den Schulbesuch verwehren.



„Irrwege“ der Volkskirche

Evangelikaler Verband kritisiert Landeskirchen

Sie würden zwar grundsätzlich „Ja“ zur Volkskirche sagen, litten aber unter „einzelnen Missständen“, schreibt der Präses des „Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverband“, Christoph Morgner im Januar 2009 auf der Internetseite der Evangelischen Allianz. Der Verband vertritt einen Teil der Evangelikalen innerhalb der evangelischen Landeskirchen. Ihr Chef kritisiert zum Beispiel die „fragwürdige historisch-kritische Bibelauslegung“ oder die „gottesdienstliche Segnung homophiler Partnerschaften“. „Zu diesen und anderen Irrwegen nehmen wir klar aus biblischer Sicht Stellung“, so Christoph Morgner. Und er ergänzt: „Aber die Volkskirche ist mehr als die Summe der Missstände, an denen wir leiden.“ Und das offenbar vor allem, weil der evangelikale Einfluss wächst. „So freuen wir uns über die wachsende Zahl promovierter und habilitierter Theologen aus unseren Reihen.“ Morgner schreibt weiter, dass einige sogar Lehrstühle an den Universitäten bekleideten, was vor einigen Jahrzehnten „noch völlig undenkbar“ gewesen sei. Er freut sich auch über einen „vorzüglichen missionarischen wie diakonischen Resonanzraum“ in der Volkskirche. Doch die Landeskirchen sollen den Evangelikalen offenbar auch außerhalb der Kirche mehr Einfluss ermöglichen. Denn Christoph Morger schreibt: „Nur die Volkskirche bietet derzeit eine Chance, christliche Positionen im politischen Raum wirksam einzubringen.“



Neue „GBU-39-Bunkerbusterbomben“

Evangelikale Internetportale zu israelischen Angriffen

Die bibeltreue Nachrichtenagentur Israel heute berichtet Ende 2008 über die israelische Militäroffensive im Gazastreifen. In dem Text heißt es: „Die Gegend bei Rafah erschütterte gestern unter den Einschlägen von neuen GBU-39-Bunkerbusterbomben, die gegen dort unter der Grenze zu Ägypten verlaufenden Schmuggeltunnel eingesetzt wurden. Insgesamt wurden 40 Tunnel aufs Korn genommen und angegriffen.“
Und ein Autor des evangelikalen Internetportals Israelnetz schreibt Anfang 2009: „Seit Samstag vor einer Woche erledigt allein die Luftwaffe die ganze Arbeit. Genau nach Plan zerbombt sie die Tunnels an der Grenze zu Ägypten, Waffenlager und Moscheen, deren Keller als Lager für Raketen dienen. Auch Wohnhäuser, in denen die Israelis Sprengstoff oder Waffen vermuten, werden nach vorheriger telefonischer Warnung der Bewohner aus der Luft zerstört.“
Viele Evangelikale und sogenannte messianische Juden (Juden, die an Jesus Christus als Messias glauben und seine Wiederkunft erwarten) solidarisieren sich aus Glaubensgründen mit Israel. Denn Israel ist für sie das „Heilige Land“ der Bibel. Deshalb glauben viele, dass Israel eine besondere Rolle in der Weltgeschichte spielt, und dass Jesus eines Tages in Jerusalem zur Erde zurückkehren wird. Deshalb gelten die Feinde Israels oft als Feinde Gottes.



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