Evangelikale Missionsveranstaltung „ProChrist“
„Zweifeln und Staunen“ – der Werbeschriftzug leuchtet in weißen Buchstaben auf blauem und orangefarbenem Grund. Mit riesigen Bannern und Plakaten werben die Organisatoren im März 2009 in vielen deutschen Städten für die evangelikale Missionsveranstaltung „ProChrist“. Die sogenannte „Großevangelisation“ beginnt offiziell am 29. März in Chemnitz. Schon für den Vorabend, am 28., ist ein „Motivationsgottesdienst“ geplant. Im Programm steht: „Wir freuen uns, wenn viele dabei sind und wir uns gemeinsam von Gott zurüsten und segnen lassen.“ Auf den ersten Blick ist nicht erkennbar, dass viele der Organisatoren fundamentalistische Positionen vertreten.
„ProChrist“ wird von evangelikalen Christen veranstaltet – darunter zum Beispiel der Vorsitzende des evangelikalen Dachverbandes „Deutsche Evangelische Allianz“ Jürgen Werth, Allianz-Generalsekretär Hartmut Steeb und Prediger Ulrich Parzany. Aufgrund ihres engen Bibelverständnisses lehnen sie zum Beispiel eine Liebesbeziehung zwischen zwei Männern ab. „Praktizierte Homosexualität“ sei Sünde, erklärte Ulrich Parzany im Interview. Homosexuelle Praxis werde im Alten und Neuen Testament „eindeutig kritisch“ beurteilt. Parzany sagte, man müsse für sein Verhalten Verantwortung tragen. Wenn man heterosexuell sei, rechtfertige das ja auch nicht, dass man durch die Betten hure. „ProChrist“-Vorstandsmitglied Hartmut Steeb hatte vor einigen Jahren Bundeskanzlerin Merkel für ein Grußwort bei der Homosexuellen-Veranstaltung „Christopher Street Day“ kritisiert. Steeb fand, dass „diese Art aktiver Unterstützung von Homosexualität und Lesbentum weder für die Zukunft unseres Landes gut ist, noch das Vertrauen in die Politik stärkt“.
In dem Programm von „ProChrist“ ist auch ein Referent des kreationistischen Vereins „Wort + Wissen“ angekündigt. Am 31.3. soll Siegfried Scherer ein Interview zum Thema „Biologie und Glaube“ geben. Scherer ist unter anderem Autor des kreationistischen Werkes „Evolution – ein kritisches Lehrbuch“. Kreationisten glauben, dass die Erde so erschaffen worden ist, wie es in der Bibel steht. Deshalb zweifeln sie an vielen wissenschaftlichen Erkenntnissen, zum Beispiel an der Evolutionstheorie. „Wort + Wissen“ vertritt nach eigenen Angaben eine „biblische Schöpfungslehre“. Ihre Mitarbeiter wollen „Denkhilfen“ geben, mit denen aus ihrer Sicht unter anderem „Hindernisse zum Glauben an Jesus Christus ausgeräumt“ werden können.
Die Missionsveranstaltung wird per Satellit in viele deutsche Gemeinden und auch an Orte in anderen europäischen Ländern übertragen. An der letzten “ProChrist”-Veranstaltung vor drei Jahren hatten nach Angaben der Organisatoren insgesamt mehr als eine Million Menschen teilgenommen.