Blog-Info

Christliche Fundamentalisten halten ihren Glauben für den einzig wahren. Die Bibel ist Glaubensgrundlage und gleichzeitig strenges Regelwerk für den Alltag. Andere Religionen lehnen sie ab, alle Nichtchristen wollen sie bekehren. Homosexualität gilt als Sünde. Sex vor der Ehe ist verpönt. Die Evolutionstheorie stellen sie in Frage. Und bibeltreue Lobbyvereine bemühen sich um Einfluss auf Politik und Medien. Wir wollen kritisch über die Evangelikale Bewegung berichten.
Unser Buch "Mission Gottesreich – Fundamentalistische Christen in Deutschland" bietet einen Überblick. In dem Blog wollen wir weiter über Beiträge, Gemeinschaften und Veranstaltungen von Evangelikalen informieren sowie auf andere Berichte über Evangelikale hinweisen. Außerdem veröffentlichen wir hier Reaktionen auf das Buch.

Buchrezension in der „taz“

Berliner Tageszeitung zu „Mission Gottesreich“

Die Journalisten würden so detailliert wie niemand zuvor die Szene der fundamentalistischen Christen in Deutschland beschreiben, so die taz in ihrer Rezension von „Mission Gottesreich“ Ende April 2009. „Nüchtern. Unaufgeregt. Ohne Polemik. Genau das ist die Stärke.“ Der taz-Autor Wolf Schmidt schreibt: „Das Buch war überfällig.“ Denn bisher habe es erstaunlicherweise kein unabhängiges Überblickswerk über den christlichen Fundamentalismus in Deutschland gegeben. Die Buchkritik kann auf den Internetseiten der taz nachgelesen werden.



Streit um „Umpolungs“-Seminare

„Hessischer Rundfunk“ über umstrittenen „Seelsorge“-Kongress

Auch das HR-Landesmagazin defacto hat im April 2009 über den geplanten „Kongress für Psychotherapie und Seelsorge“ in Marburg berichtet. An der Veranstaltung nehmen laut Programm auch Leiter von evangelikalen Organisationen teil, die eine Veränderung von homosexuellen zu heterosexuellen Menschen für möglich halten und hierbei ihren „Rat“ anbieten. Hintergrund: Für die meisten evangelikalen Christen ist Homosexualität Sünde. Politiker von SPD und Grünen sowie der „Lesben- und Schwulenverband“ (LSVD) kritisieren die Veranstaltung. Sie soll Ende Mai in den Räumen der Universität Marburg stattfinden. Der Fernsehbeitrag kann auf den Internetseiten des Hessischen Rundfunks angeschaut werden, zum Thema siehe auch Blogtext „Psychische Vergewaltigung“.



„Psychische Vergewaltigung“

„taz“ über evangelikale „Seelsorge-Organisationen“

„Das war psychische Vergewaltigung“, so beschreibt ein homosexueller Christ gegenüber der taz ein Seminar, das den Teilnehmern offenbar „Auswege aus der Homosexualität“ zeigen sollte. Die Berliner tageszeitung berichtet Mitte April 2009 über evangelikale Organisationen, die bei „Fragen zur Sexualität“ beraten wollen. Sie bieten demnach Seminare für homosexuelle Menschen mit dem Ziel an, ein „bibeltreues, heterosexuelles Leben“ zu führen. Hintergrund: Für die meisten evangelikalen Christen ist Homosexualität Sünde. Viele bibeltreue Homosexuelle fühlen sich deshalb unter Druck gesetzt, einige wollen ihre sexuelle Orientierung verändern. Verschiedene Organisationen bieten hier „Hilfe“ an und behaupten gleichzeitig, sie würden „ergebnisoffen“ beraten. Die taz zitiert dagegen ehemalige Ratsuchende, die berichten, man habe sie verändern wollen. Ein Mann erzählt, die Grundaussage sei klar gewesen, Homosexualität sei auf jeden Fall etwas Schlechtes. Der Artikel ist auf den Internetseiten der taz nachzulesen.

Leiter solcher Organisationen wollen vom 20. bis 25. Mai 2009 als Referenten auf einem sogenannten „Kongress für Psychotherapie und Seelsorge“ an der Universität in Marburg auftreten. Politiker von SPD und Grünen sowie der Lesben- und Schwulenverband (LSVD) kritisieren deshalb die Tagung.  Der Tagesspiegel berichtet darüber unter dem Titel „Unis sollten Quacksalber nicht fördern“, Die Welt unter dem Titel „Wenn die Sexualität nicht zum Glauben zu passen scheint“, unter der Überschrift „Streit über Homoheiler“ die taz und mit „SPD schaltet Landesregierung ein“ auch die Frankfurter Rundschau.

Die Bundesregierung hat „Heilungsangebote“ für Homosexuelle 2008 kritisiert. Sie wies darauf hin, dass sogenannte „Konversions-“ oder „Reparations“-Therapien, die auf eine Änderung von gleichgeschlechtlichem Sexualverhalten oder der homosexuellen Orientierung abzielten, heute in der Fachwelt weitestgehend abgelehnt würden. Neuere wissenschaftliche Untersuchungen hätten ergeben, dass bei der Mehrzahl der so behandelten Personen negative und schädliche Effekte wie zum Beispiel Ängste, Depressionen bis hin zu Suizidalität aufgetreten und versprochene Aussichten auf „Heilung“ enttäuscht worden seien. Die entsprechende Drucksache steht im Internet.



„Angriffe“

ideaSpektrum“ zu Kritik an evangelikaler Bewegung

Der Titel der evangelikalen Zeitschrift ideaSpektrum heißt Mitte April 2009: „Evangelikale, was nun? – Wie Fromme auf Kritik reagieren sollten.“ Das Blatt reagiert damit auf mehrere Medienberichte, in denen Überzeugungen evangelikaler Christen kritisiert wurden. Die Bewegung sei in nur wenigen Monaten „heftig attackiert“ worden, findet idea-Chefredakteur Helmut Matthies. Die „Angriffe“ stammten von „linksorientierten Blättern“, von „vielen Dritten Fernsehprogrammen“ und auch von „entsprechenden Gruppierungen in der Kirche“, so Matthies. Selbst die bürgerliche Tageszeitung Die Welt habe die „Evangelisation“ ProChrist „polemisch“ kritisiert. Am meisten Aufsehen habe das Buch „Mission Gottesreich“ erregt.
Die Evangelikalen seien zu „Buhmännern“ geworden. „Aber ist etwas anderes zu erwarten gewesen?“, für den bibeltreuen Journalisten kommt die Kritik offenbar nicht überraschend. Denn Christen mussten seiner Meinung nach immer „gegen den Strom der Zeit“ schwimmen.
In dem Artikel geht Matthies auf verschiedene Kritikpunkte ein und verteidigt die Haltung der Evangelikalen. Er bekräftigt zum Beispiel diskriminierende Positionen gegenüber Homosexuellen. „Sie können meist nie etwas für ihre Orientierung“, so Matthies. Einige hätten sogar versucht, eine andere sexuelle Orientierung zu erlangen. „Vielfach ist dieses erfreulicherweise gelungen – aber längst nicht immer“, schreibt der bibeltreue Journalist. Tatsache sei, so Matthies, dass es in der Bibel keine positive Darstellung „praktizierter Homosexualität“ gebe. Und weiter erklärt er, dass es bei der Mission eine „Priorität“ gebe. „Denn tatsächlich ist das ewige Heil letztlich wichtiger als das irdische Wohl“, so Matthies. Doch er denkt auch, dass sich jeder die Frage stellen solle, ob manche Kritik nicht auch berechtigt sein könnte. Über die „charismatische“ und „pfingstkirchliche“ Bewegung schreibt er zum Beispiel, dass sie zwar „mancherorts zu lebendigeren Gottesdiensten“ geführt habe, auf der anderen Seite hätten „extreme“ Gruppen aber auch „großen Schaden“ durch „falsche Prophetien oder Heilungsversprechen“ angerichtet.
Am Schluss versucht Matthies, die Evangelikalen zu mobilisieren. Sein Fazit: „Die Evangelikalen sollten auf die Angriffe gelassen, sachlich und freundlich – also überzeugend – durch Briefe, E-Mails, Telefonate und Gespräche reagieren.“

Quelle: ideaSpektrum Nr. 16. April 2009, S. 15 – 18



„chrismon.de“ stellt „Mission Gottesreich“ vor

Buchtipp des evangelischen Online-Magazins

Der im April 2009 veröffentlichte Artikel kann auf den Internetseiten von Chrismon nachgelesen werden. Chrismon ist ein evangelisches Magazin, das einmal im Monat verschiedenen Zeitungen beiliegt.



Evangelikaler hält Evolution für Ideologie

Vorsitzender von Altpietisten-Verband wirbt für Schöpferglauben

„Es wird Zeit, dass wir Christen aufstehen und gemeinsam unseren Glauben an den Schöpfer bekennen“, schreibt der Evangelikale Steffen Kern Anfang April 2009 in dem Blatt „Gemeinschaft“. Der Vorsitzende des württembergischen Altpietistischen Gemeinschaftsverbandes hält die biblische Schöpfungsgeschichte offenbar für ein wissenschaftliches Modell. Denn er schreibt, dass sich mit der Alternative „Schöpfung – Evolution“ „zwei naturwissenschaftliche Modelle“ gegenüberständen. Weiter scheint „Evolution“ für Kern auch eine Weltanschauung zu sein. Er meint: „Ein vorbehaltloses Ja zur Evolution verkennt deren weltanschaulichen Charakter.“ Ihm gehe es um eine „Kritik an der Evolution als Ideologie“, so Kern. Und sogenannte „radikale Evolutionisten“ befördern aus seiner Sicht ein „zutiefst unmenschliches Menschenbild, das einem ideologischen Totalitarismus Tür und Tor“ öffne. Doch er fügt hinzu, dass nicht jeder Verfechter der Evolutionstheorie anfällig sei für „faschistische Propaganda“.
Die Evolutiontheorie erklärt die Entwicklung von Lebewesen und damit auch die Entstehung des Menschen. Da sie Aussagen der Bibel widerspricht, lehnen viele Evangelikale sie ab. Einige behaupten deshalb auch, die Evolution sei eine Weltanschaung und eine Glaubensfrage.



„Evangelikale auf dem Vormarsch“

3sat-Kulturzeit zu „Mission Gottesreich“

Morddrohungen habe er bekommen, nachdem er sich zu seiner Homosexualität bekannt hatte, erzählt Tom Hauser in einem Beitrag der 3sat-Sendung Kulturzeit im April 2009. Der Christ war viele Jahre in der evangelikalen Bewegung aktiv. Nach seinem Bekenntnis sei Haus „ausgegrenzt und diskriminiert“ worden. Denn für die meisten Evangelikalen ist Homosexualität Sünde. Auch der evangelikale Prediger Ulrich Parzany erklärt in dem Fernsehfilm erneut, dass „homosexuelle Praxis nicht dem biblischen Gebot“ entspreche.
Kulturzeit-Autor Cornelius Janzen stellt in seinem Beitrag über die evangelikale Bewegung auch das Buch „Mission Gottesreich“ vor. Er zeigt Bilder von der Missionsveranstaltung „ProChrist“ in Chemnitz, war bei der Redaktion der evangelikalen Zeitschrift IdeaSpektrum zu Gast und sprach mit dem evangelikalen Lobbyisten Wolfgang Baake. Außerdem kamen der EKD-Ratsvorsitzende Huber und der Theologe Uwe Birnstein zu Wort. Laut Birnstein würden Evangelikale sagen, dass sie die Wahrheit gepachtet und andere sich „gefälligst“ anzupassen hätten. Die Internetseite von Kulturzeit bietet nicht nur den Beitrag zum Nachlesen, sondern darüber hinaus auch ein Extra-Interview mit Bischof Huber.



„Schwulenfeindliche Tendenzen“

Verein „Homosexuelle und Kirche“ kritisiert ProChrist

Der Verein „Homosexuelle und Kirche“ (HuK) wirft der Missionsveranstaltung „ProChrist“ „schwulenfeindliche Tendenzen“ vor. Die Organisatoren hatten der HuK keinen Informationsstand während des Glaubensfestivals in Chemnitz genehmigt. „Es ist nicht hinnehmbar, dass uns als homosexuelle Christen ein Stand bei ProChrist verwehrt wurde, obwohl wir bereits im November 2008 einen schriftlichen Antrag gestellt hatten“, sagte Tom Haus von der HuK gegenüber der Chemnitzer „Freien Presse“. „ProChrist“-Geschäftsführer Michael Klitzke sagte der Zeitung, dass man den Antrag des Vereins aus Platznot habe absagen müssen.
„ProChrist“ wurde von evangelikalen Christen organisiert. Für die meisten Evangelikalen ist Homosexualität eine Sünde – so auch für den leitenden Prediger bei „ProChrist“, Ulrich Parzany. Nach Angaben der Organisatoren hatten mehrere zehntausend Menschen die einwöchige Missionsveranstaltung in der Chemnitz-Arena besucht. Die Kampagne wurde vor allem durch Spenden, aber auch durch Zuschüsse der evangelischen Kirche finanziert.

Quelle: Freie Presse – Chemnitzer Zeitung, 2.4.2009



EKD-Ratsvorsitzender unterstützt ProChrist

Deutschlandradio Kultur-Interview mit Bischof Huber

„Hoffentlich werden viele erreicht, die in Folge der DDR-Geschichte den Glauben an Gott verlernt haben und ihn jetzt hoffentlich wieder buchstabieren lernen“, mit diesen Worten lobte der EKD-Ratsvorsitzende Bischof Huber die Missionsveranstaltung „ProChrist“ in Chemnitz. In einem Interview im Deutschlandradio am 31.3.2009 verteidigte er seine Unterstützung für das von Evangelikalen organisierte Glaubensfestival. Er wandte sich gegen Vorwürfe, Veranstaltungen wie „ProChrist“ seien einen Indiz für den Vormarsch der Evangelikalen in Deutschland. Darüberhinaus sagte Huber, es sei „eine ungeheure Verdrehung der Debatte“, wenn manche sagen würden, er sei offenbar evangelikal geworden, weil er für Mission sei. (mehr…)



„Wiedergutmachung für Hardliner“

taz kritisiert die „Bundeszentrale für politische Bildung“

Das aktuelle Heft der „Bundeszentrale für politische Bildung“ Christen in der Demokratie sei das Ergebnis eines Streits zwischen der Bundeszentrale und deutschen Evangelikalen, schreibt die taz Anfang April 2009. Für die aktuelle Ausgabe der Reihe „Aus Politik und Zeitgeschichte“ schrieb auch Thomas Schirrmacher. „Schirrmacher ist Funktionär der bibeltreuen Evangelischen Allianz, dem Dachverband von weltweit mehr als 400 Milionen evangelikalen Christen – und spricht in seinem Text der viel kritisierten evangelikalen Bewegung die Gefährlichkeit ab“, so die taz. Für die Berliner Tageszeitung ist das Heft eine „Wiedergutmachung“. Evangelikale Lobbyisten hatten sich Ende vergangenen Jahres über die Schülerzeitung Q-rage beschwert, weil junge Autoren in einer Ausgabe die evangelikale Bewegung kritisiert hatten. Vertreter der bibeltreuen Christen forderten sogar den Rücktritt des Präsidenten der Behörde. Denn die „Bundeszentrale für politische Bildung“ unterstützte das bundesweite Schülerzeitungsprojekt. Über die Auseinandersetzung zwischen Bundeszentrale und Evangelikalen berichteten neben der taz auch Spiegel Online und Welt.