„taz“ über evangelikale „Seelsorge-Organisationen“
„Das war psychische Vergewaltigung“, so beschreibt ein homosexueller Christ gegenüber der taz ein Seminar, das den Teilnehmern offenbar „Auswege aus der Homosexualität“ zeigen sollte. Die Berliner tageszeitung berichtet Mitte April 2009 über evangelikale Organisationen, die bei „Fragen zur Sexualität“ beraten wollen. Sie bieten demnach Seminare für homosexuelle Menschen mit dem Ziel an, ein „bibeltreues, heterosexuelles Leben“ zu führen. Hintergrund: Für die meisten evangelikalen Christen ist Homosexualität Sünde. Viele bibeltreue Homosexuelle fühlen sich deshalb unter Druck gesetzt, einige wollen ihre sexuelle Orientierung verändern. Verschiedene Organisationen bieten hier „Hilfe“ an und behaupten gleichzeitig, sie würden „ergebnisoffen“ beraten. Die taz zitiert dagegen ehemalige Ratsuchende, die berichten, man habe sie verändern wollen. Ein Mann erzählt, die Grundaussage sei klar gewesen, Homosexualität sei auf jeden Fall etwas Schlechtes. Der Artikel ist auf den Internetseiten der taz nachzulesen.
Leiter solcher Organisationen wollen vom 20. bis 25. Mai 2009 als Referenten auf einem sogenannten „Kongress für Psychotherapie und Seelsorge“ an der Universität in Marburg auftreten. Politiker von SPD und Grünen sowie der Lesben- und Schwulenverband (LSVD) kritisieren deshalb die Tagung. Der Tagesspiegel berichtet darüber unter dem Titel „Unis sollten Quacksalber nicht fördern“, Die Welt unter dem Titel „Wenn die Sexualität nicht zum Glauben zu passen scheint“, unter der Überschrift „Streit über Homoheiler“ die taz und mit „SPD schaltet Landesregierung ein“ auch die Frankfurter Rundschau.
Die Bundesregierung hat „Heilungsangebote“ für Homosexuelle 2008 kritisiert. Sie wies darauf hin, dass sogenannte „Konversions-“ oder „Reparations“-Therapien, die auf eine Änderung von gleichgeschlechtlichem Sexualverhalten oder der homosexuellen Orientierung abzielten, heute in der Fachwelt weitestgehend abgelehnt würden. Neuere wissenschaftliche Untersuchungen hätten ergeben, dass bei der Mehrzahl der so behandelten Personen negative und schädliche Effekte wie zum Beispiel Ängste, Depressionen bis hin zu Suizidalität aufgetreten und versprochene Aussichten auf „Heilung“ enttäuscht worden seien. Die entsprechende Drucksache steht im Internet.