Blog-Info

Christliche Fundamentalisten halten ihren Glauben für den einzig wahren. Die Bibel ist Glaubensgrundlage und gleichzeitig strenges Regelwerk für den Alltag. Andere Religionen lehnen sie ab, alle Nichtchristen wollen sie bekehren. Homosexualität gilt als Sünde. Sex vor der Ehe ist verpönt. Die Evolutionstheorie stellen sie in Frage. Und bibeltreue Lobbyvereine bemühen sich um Einfluss auf Politik und Medien. Wir wollen kritisch über die Evangelikale Bewegung berichten.
Unser Buch "Mission Gottesreich – Fundamentalistische Christen in Deutschland" bietet einen Überblick. In dem Blog wollen wir weiter über Beiträge, Gemeinschaften und Veranstaltungen von Evangelikalen informieren sowie auf andere Berichte über Evangelikale hinweisen. Außerdem veröffentlichen wir hier Reaktionen auf das Buch.

„Atheismus führt zu Zuständen wie im Dritten Reich“

Evangelikale warnen vor Menschen, die nicht an Gott glauben

„Konsequenter Atheismus führt zu Zuständen wie im Dritten Reich“, heißt es im April 2009 auf den Internetseiten des evangelikalen Dachverbandes „Deutsche Evangelische Allianz“. In dem Artikel wird der Pfarrer Herbert Großarth zitiert. Er glaubt danach, wenn man den Atheismus zu Ende denke, komme man zum “Sozialdarwinismus” und damit zur „Vernichtung unlebenswerten Lebens“. Ohne Gott gebe es keine Moral, so Großarth. Solche Behauptungen sind in evangelikalen Medien keine Seltenheit. Immer wieder ist zu lesen, dass es zu totalitären Regimen führe, wenn Menschen nicht an Gott glaubten.

Nachdem zum Beispiel die Berliner Bürger per Volksentscheid entschieden hatten, dass Religion an den Schulen ein freiwilliges Unterrichtsfach bleiben soll, griff der Pastor Ulrich Rüss den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit scharf an. In der Zeitschrift ideaSpektrum (29.4.2009, S. 3) schrieb er, dass Wowereit allen Schülern das Fach Ethik „zwangsweise“ verordnen würde. „Das erinnert an unselige Zeiten des atheistischen DDR-Unrechtsstaates“, so Rüss. Dabei scheint er zum einen den demokratischen Volksentscheid zu ignorieren, zum anderen, dass auch Wowereit von den Berlinern gewählt worden ist.

Auch andere Artikel belegen ein ähnliches Schwarz-Weiß-Denken: Danach sind Menschen, die an Gott glauben, gut, alle anderen böse. So meint Matthias Dreßler vom evangelikalen „Landesverband Landeskirchlicher Gemeinschaften Sachsen“ laut idea, “je atheistischer ein Landesteil ist, desto eher kann sich dort Furcht und Zukunftsangst ausbreiten.” Furcht sei nichts anderes als gelebter Atheismus. Dreßler soll weiter gesagt haben, wer auf Gott verzichte, bei dem könne sich der „Dämon der Habgier“ entfalten.