Blog-Info

Christliche Fundamentalisten halten ihren Glauben für den einzig wahren. Die Bibel ist Glaubensgrundlage und gleichzeitig strenges Regelwerk für den Alltag. Andere Religionen lehnen sie ab, alle Nichtchristen wollen sie bekehren. Homosexualität gilt als Sünde. Sex vor der Ehe ist verpönt. Die Evolutionstheorie stellen sie in Frage. Und bibeltreue Lobbyvereine bemühen sich um Einfluss auf Politik und Medien. Wir wollen kritisch über die Evangelikale Bewegung berichten.
Unser Buch "Mission Gottesreich – Fundamentalistische Christen in Deutschland" bietet einen Überblick. In dem Blog wollen wir weiter über Beiträge, Gemeinschaften und Veranstaltungen von Evangelikalen informieren sowie auf andere Berichte über Evangelikale hinweisen. Außerdem veröffentlichen wir hier Reaktionen auf das Buch.

Evangelikaler Theologe zu „Mission Gottesreich“

Buchkritik von Thomas Schirrmacher

Unter dem Titel „Die Kriminalisierung der Evangelikalen“ schreibt der evangelikale Theologe Thomas Schirrmacher über „Mission Gottesreich“ im April 2009. Das Buch setzt sich kritisch mit der evangelikalen Bewegung auseinander. Schirrmacher behauptet, wir würden darin „unverblümt“ die Diskriminierung von Evangelikalen „im großen Stil“ fordern. Weiter würden wir angeblich verlangen, dass Evangelikale keine Medien, keine Politikerkontakte und keine Veröffentlichungsmöglichkeiten haben sollten. Das alles haben wir in unserem Buch nicht gefordert und widerspricht unseren Überzeugungen. Stattdessen erklären wir ausführlich, warum wir viele Überzeugungen von evangelikalen Christen für problematisch halten.

In „Mission Gottesreich“ kritisieren wir unter anderem, dass viele Evangelikale Homosexualität als Sünde oder sogar als Krankheit bezeichnen. Schirrmacher bekräftigt in seinem Text, dass Evangelikale „Homosexualität wie viele andere Dinge für moralisch falsch“ halten. Doch zu unserer Kritik schreibt er: „Das Ganze stellt die Tatsachen auf den Kopf.“ Schirrmacher glaubt offenbar, dass die Evangelikalen von Homosexuellen diskriminiert würden. Er scheint die Homosexuellen in Deutschland nicht für eine Minderheit zu halten. „Denn eine Minderheit definiert sich nicht einfach zahlenmäßig, sondern ob sie Macht hat“, so Schirrmacher. Er schreibt weiter: „Die homosexuelle ‚Minderheit’ ist dagegen längst an den Schalthebeln der Macht angekommen.“ Deshalb seien die Evangelikalen darauf angewiesen, dass auch „die Homosexuellen und ihre öffentlichen Verteter“ ihre Rechte als religiöse Minderheit schützten und auf „Diskriminierung“ verzichteten.

Am Ende behauptet Thomas Schirrmacher noch fälschlicherweise: „Die Autoren treten ganz eindeutig für eine Kriminalisierung des Evangelikalseins ein.“ Der 29-seitige Beitrag von Thomas Schirrmacher ist auf den Internetseiten des evangelikalen Lobbyvereins „Christlicher Medienverbund KEP“ nachzulesen.