Britischer Dokumentarfilmer kritisiert Kreationisten
„Jede Gesellschaft, die wir bisher kennen, hielt es für notwendig, eine Erzählung zu haben, die erklärt, warum wir hier sind“, kommentiert der britische Dokumentarfilmer David Attenborough die biblische Schöpfungsgeschichte. „Und die Menschen im Mittleren Osten dachten eben, dass Gott den ersten Menschen aus Ton geformt und ihm Leben eingehaucht hat, um dann eine seiner Rippen zu verwenden, um die erste Frau zu schaffen“, sagt Attenborough Mitte Mai 2009 in einem Interview der Frankfurter Rundschau. Jede Gesellschaft habe solche Mythen, so der preisgekrönte Naturfilmer. Heute gebe es allerdings genügend Beweise und Belege zur Entstehung der natürlichen Welt. Deshalb ist für Attenborough auch völlig klar, dass Menschen mit Affen verwandt seien.
Der Kreationismus dagegen beruhe nicht auf faktenbasiertem Beweismaterial, so Attenborough. Christliche Kreationisten glauben, dass die Welt so erschaffen worden ist, wie es in der Bibel steht. Wissenschaftliche Erkenntnisse, die der Bibel widersprechen, lehnen sie ab. Sie zweifeln deshalb auch an der Evolutionstheorie. David Attenborough sagt in dem Zeitungsinterview, es sei ein „historisches Faktum“, das alles Leben durch Evolution entstanden sei. Dafür sei die Beweislage sehr viel besser als für viele historische Ereignisse, die wir in unserem Geschichtsunterricht lehren würden, so der Filmemacher. Viele Entdeckungen der letzten Jahrzehnte – von der Entschlüsselung der DNA bis zur Kontinentaldrift – hätten die Evolutionstheorie noch weiter bestätigt. Besonders scharf kritisiert der Brite, wenn die biblische Schöpfungsgeschichte auf Betreiben von Kreationisten parallel zur Evolutionstheorie in der Schule gelehrt wird. „Das ist ein intellektueller Skandal“, findet David Attenborough.
Das ganze Interview über „Darwin, Dinosaurier und blaugesichtige Affen“ ist auf den Internetseiten der Frankfurter Rundschau nachzulesen. In dem Artikel „Gestalten ohne Gestalter“ in der Süddeutschen Zeitung werden die Mechanismen der Evolution erklärt und auch Überzeugungen von Kreationisten, den Anhängern des sogenannten Intelligent Designs, widerlegt. Die Technische Universität Dortmund veranstaltet im Sommersemester 2009 die interdisziplinäre Vorlesungsreihe „Darwins (r)evolutionäre Gedanken“ – darunter auch Vorträge zum Kreationismus in Deutschland und den USA. Weitere Blogtexte zum Thema: „Evangelikaler hält Evolution für Ideologie“ und „Kreationismus im Hörsaal“.