Blog-Info

Christliche Fundamentalisten halten ihren Glauben für den einzig wahren. Die Bibel ist Glaubensgrundlage und gleichzeitig strenges Regelwerk für den Alltag. Andere Religionen lehnen sie ab, alle Nichtchristen wollen sie bekehren. Homosexualität gilt als Sünde. Sex vor der Ehe ist verpönt. Die Evolutionstheorie stellen sie in Frage. Und bibeltreue Lobbyvereine bemühen sich um Einfluss auf Politik und Medien. Wir wollen kritisch über die Evangelikale Bewegung berichten.
Unser Buch "Mission Gottesreich – Fundamentalistische Christen in Deutschland" bietet einen Überblick. In dem Blog wollen wir weiter über Beiträge, Gemeinschaften und Veranstaltungen von Evangelikalen informieren sowie auf andere Berichte über Evangelikale hinweisen. Außerdem veröffentlichen wir hier Reaktionen auf das Buch.

„Mit der Bibel zum Abitur“

WDR-Fernsehbeitrag über christliche Privatschulen

„Einzige Autorität und Richtschnur für Leben und Lehre ist die Bibel, das zuverlässige und wahrhaftige Wort Gottes“, das ist nicht nur das Glaubensbekenntnis vieler bibeltreuer Gemeinden, sondern auch das Leitbild einer deutschen Schule – der Georg-Müller-Gesamtschule in Bielefeld. Über diese und andere christliche Privatschulen in Nordrhein-Westfalen berichten die Autoren Frank Papenbroock und Peters Moers in ihrem WDR-Fernsehfilm „Mit der Bibel zum Abitur“ Ende Mai 2009. Darin zeigen sie, dass in evangelikalen Schulen im Biologieunterricht neben der Evolutionstheorie oft auch die biblische Schöpfungsgeschichte gelehrt wird. Eine Schülerin erklärt, sie glaube, dass die Erde nur etwa 6000 Jahre alt sei. „Eine realistische Zahl“, so die 18-Jährige. Auch gesicherte Erkenntnisse über die Entstehung der Steinkohle stellt ein bibeltreuer Lehrer in dem Film in Frage, weil sie aus seiner Sicht Texten der Bibel widersprechen. Homosexualität lehnen evangelikale Christen ab, denn sie gilt als Sünde. Und diese Überzeugung wird offenbar auch an bibeltreuen Schulen vertreten. Ein Lehrer erklärt vor der Kamera: „Sexualität ist etwas, was mir Gott gegeben hat, nicht nur für mich, sondern für das andere Geschlecht.“

Die Zahl christlicher Privatschulen nimmt laut dem Beitrag zu. Denn in Deutschland könne praktisch jeder eine Privatschule eröffnen, erklären die Autoren, und zwar mit großzügiger staatlicher Unterstützung. Fast neunzig Prozent der Gesamtkosten kämen vom Steuerzahler, heißt es im Film. Doch Privatschulen werden offennbar kaum kontrolliert. Die nordrhein-westfälische Schulministerin Barbara Sommer von der CDU sieht hier offenbar kein Problem und sagt auf Nachfrage, dass Ersatzschulen die Schullandschaft bereicherten. Sie nehme die Eigenverantwortung der Schulen sehr ernst. Eine Lehrerin einer staatlichen Schule in Hennef in der Nähe von Bonn äußert sich dagegen besorgt. Sie befürchtet, dass sich „eine Art Parallelgesellschaft“ bilde. Auch die Grünen-Politikerin Sigrid Beer sagt, man müsse sich gegen Fundamentalismus wenden – egal ob gegen christlichen oder islamischen. Am Ende des Films kommen die Autoren Frank Papenbroock und Peter Moers zu dem Schluss: „Es kann zu Lasten der Kinder gehen und zu Lasten des Steuerzahlers, der auch für wissenschaftsfeindliche Parallelwelten tief in die Tasche greift.“