Blog-Info

Christliche Fundamentalisten halten ihren Glauben für den einzig wahren. Die Bibel ist Glaubensgrundlage und gleichzeitig strenges Regelwerk für den Alltag. Andere Religionen lehnen sie ab, alle Nichtchristen wollen sie bekehren. Homosexualität gilt als Sünde. Sex vor der Ehe ist verpönt. Die Evolutionstheorie stellen sie in Frage. Und bibeltreue Lobbyvereine bemühen sich um Einfluss auf Politik und Medien. Wir wollen kritisch über die Evangelikale Bewegung berichten.
Unser Buch "Mission Gottesreich – Fundamentalistische Christen in Deutschland" bietet einen Überblick. In dem Blog wollen wir weiter über Beiträge, Gemeinschaften und Veranstaltungen von Evangelikalen informieren sowie auf andere Berichte über Evangelikale hinweisen. Außerdem veröffentlichen wir hier Reaktionen auf das Buch.

Asyl für evangelikale Schulverweigerer

US-Einwanderungsrichter: Deutschland verletze die Menschenrechte

Ein evangelikales Elternpaar aus Baden-Württemberg hatte sich aus religiösen Gründen geweigert, ihre Kinder zur Schule zu schicken und unterrichtete sie zu Hause. Um der deutschen Schulpflicht schließlich zu entkommen, reiste die siebenköpfige Familie 2008 in die USA und stellte im Bundesstaat Tennessee einen Asylantrag. Dem sei nun im Januar 2010 stattgegeben worden, so die US-amerikanische Lobbygruppe für Heimunterricht “Home School Legal Defense Association“.

Der zuständige Einwanderungsrichter sieht nach Angaben des Verbandes die Menschenrechte in Deutschland verletzt, die betroffene Familie würde wegen ihres evangelikalen Glaubens verfolgt. Die strenggläubigen Christen hatten zuvor jahrelang mit deutschen Behörden gestritten. Die allgemeine Schulpflicht sei nicht mit ihrem Glauben zu vereinbaren. Die Eltern sagten gegenüber Medien, sie hätten ihren Kindern das “unchristliche Treiben” an deutschen Schulen nicht zumuten wollen. Zum Beispiel hätten sie in Unterrichtsmaterialien “obzöne Ausdrücke für Geschlechtsverkehr” entdeckt.

Über den Fall berichteten unter anderem die Süddeutsche Zeitung, Spiegel Online und die Stuttgarter Zeitung. Weiterer Blogtext über evangelikale Schulverweigerer: Sexualkunde ist Pflicht.



Werben mit dem Tod

Evangelikaler Sender versucht, mit Sterbeszene im Internet zu missionieren

Eine Frau sitzt in ihrem Auto und fährt in Gedanken versunken eine Straße entlang. Sie denkt an ihren letzten Urlaub, an ihren Mann. Plötzlich sieht der Zuschauer nur noch Bäume. Dann liegt die Frau tot auf dem Asphalt. Diese kurze vertonte Fotogeschichte zeigt der evangelikale Sender Evangeliums-Rundfunk (ERF) Ende Januar 2010 im Netz, um Menschen zum christlichen Glauben zu bekehren.

Nach der Unfall-Geschichte kann sich der Nutzer durch verschiedene Fragen klicken. Zum Beispiel: “Was kommt nach dem Tod?” Die Antwort auf der ERF-Internetseite: entweder das “ewige Leben” oder “die ewige Verdammnis” – je nachdem, ob man sich für oder gegen Gott entschieden hat.

Danach kann der Leser hier Klick für Klick zum Christen werden. Zu düsterer Musik und mit Fotos von zerstörten Gebäuden oder Grabsteinen erfährt er auf dem Weg zur Bekehrung, dass “unsere Welt” “gefährlich”, “egoistisch”, “kalt” und “sinnlos” ist. Und weiter heißt es: “Wir sind vor Gott sündig, weil wir uns gegen Gott richten.” Und: “Ein Leben in Sünde führt zum Tod.”

Doch Rettung naht: “ein Leben mit Jesus Christus.” Zu sphärischen Klängen kann der Netz-Nutzer ein Gebet nachsprechen. Darin heißt es zum Beispiel: “Übernimm Du die Führung in meinem Leben und verändere mich so, wie Du mich haben willst.” Am Ende hat der Leser die Wahl zwischen zwei Klick-Feldern: 1. “Ich habe das Gebet gesprochen und einen Anfang mit Gott gemacht.” oder 2. “Ich bin (noch) nicht bereit, mich auf Gott einzulassen.” Bei der zweiten Möglichkeit erfährt der Nutzer noch einmal: “Gehen Sie verantwortungsvoll mit ihrem Leben um, denn Sie haben nur eins!” Und mit dem nächsten Klick geht’s zurück zum Start der Fragereihe.

Weitere Blog-Artikel über evangelikale Mission: “Sterben für Gott“, “Weckt die Toten auf” oder “Gott hält Wahlversprechen“.



Bibeln statt Essen und Medikamente

Eine US-amerikanische Organisation schickt Hör-Bibeln nach Haiti

Sie wollen Bibeln an Menschen verteilen, die “hungrig” nach “Gottes Wort” sind – die Mitarbeiter der US-amerikanischen Organisation “Faith comes by Hearing“. Und so haben sie im Januar 2010 nach dem schweren Erdbeben auf Haiti hunderte von solar-betriebenen Geräten in das Land geschickt, mit denen man offenbar vertonte Bibeltexte hören kann.

Auf ihrer Internetseite schreibt die christliche Organisation, sie antworte auf die Krise, indem sie “Glaube, Hoffnung und Liebe” durch “Gottes Wort” verbreite. Die Bibeltexte sind mit den Abspielgeräten in der Landessprache des Inselsstaates zu hören: haitianisch-kreolisch. Spiegel Online berichtet. Durch das Erdbeben kamen auf Haiti mehr als hunderttausend Menschen ums Leben. Hunderttausende wurden obdachlos.

Zuvor hatte der US-Prediger Pat Robertson erklärt, dass Sklaven auf Haiti für das Beben verantwortlich seien. Sie hätten Anfang des 19. Jahrhunderts einen “Pakt mit dem Teufel” geschlossen, in der Zeit als sie sich gegen Frankreich die Unabhängigkeit erkämpft hatten.



Gespräch über Rechtsextremismus-Vorwurf

Vertreter der evangelischen Kirche trafen sich mit idea-Leiter

Im Dezember 2009 hatte Oberkirchenrat Christhard Wagner den Leiter der evangelikalen Nachrichtenagentur idea dafür kritisiert, dass er einen Preis unter anderem von der rechtskonservativen Zeitung Junge Freiheit angenommen hatte. Mit der Annahme des Preises sah er die Gefahr, dass die “Tabugrenze im Graubereich des Rechtsextremismus” weiter nach unten verschoben werde.

Nun trafen sich die Bischöfin der “Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland” (EKM), Ilse Junkermann, Oberkirchenrat Wagner, der Vorsitzende der evangelikalen Nachrichtenagentur idea, Horst Marquardt, und der idea-Redaktionsleiter, Helmut Matthies, am 20. Januar 2010 zu einem Gespräch in Erfurt. In einer Pressemitteilung der EKM hieß es, dass über die Annahme des Preises und die damit verbundene Außenwirkung weiterhin eine “unterschiedliche Einschätzung” bestehe. Weiter hieß es, der “Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland” liege es fern, idea und Pfarrer Matthies mit Rechtsextremismus zu indentifizieren.

Weitere Blog-Artikel zum Verhältnis von Vertretern der evangelischen Landeskirchen und evangelikalen Christen: “Evangelikale schüchtern massiv ein“, “Heikler Flirt” oder “Irrwege der Volkskirche“. Evangelikale sind zum Teil Mitglieder der Landeskirchen, zum Teil gehören sie Freikirchen an.



Haiti: „Verflucht“ durch „Pakt mit dem Teufel“

US-Fernsehprediger macht Menschen für Naturkatastrophe verantwortlich

Der prominente Fernsehprediger aus den USA, Pat Robertson, glaubt offenbar, dass die Sklaven in Haiti Anfang des 19. Jahrhunderts für das schwere Erdbeben Mitte Januar 2010 verantwortlich seien. Als sie sich 1804 gegen die Franzosen ihre Unabhängigkeit erkämpften, hätten sie einen „Pakt mit dem Teufel“ geschlossen, so Robertson. Dafür hätten sie dann die Freiheit bekommen, gleichzeitig sei die Karibikinsel aber „verflucht“ worden. Das sagte der evangelikale Prediger kurz nach dem Erdbeben in der Sendung „The 700 Club“ seines TV-Kanals „Christian Broadcasting Network“ (CBN).

Sein Pressesprecher erklärte auf der Internetseite des Senders, viele Gelehrte glaubten, dass Haiti mit einem Fluch belegt sei. Allerdings habe Robertson nie gesagt, das Beben sei eine Strafe Gottes gewesen. Nach einem Artikel der US-Zeitung Washington Post sagte sein Sprecher auch, der Kommentar von Robertson habe sich auf Voodoo-Rituale vor dem Sklavenaufstand bezogen. Die Internetzeitung Huffington Post berichtete ebenfalls über die Äußerung des Predigers und zeigt einen Ausschnitt der Sendung.



Radiosendung über Evangelikale in Deutschland

SWR2 Kontext berichtet

Der SWR-Redakteur Claus Heinrich widmet sich Anfang Januar 2010 eine Viertelstunde der evangelikalen Bewegung. In der SWR2-Sendung Kontext präsentiert er einen einführenden Beitrag zum Thema, eine Reportage über die pfingstlich-charismatische “Biblische Glaubens Gemeinde” in Stuttgart und ein Interview zu unserem Buch “Mission Gottesreich“.

Die Sendung ist auf den Internetseiten des Südwestrundfunks nachzuhören.



“Graubereich zum Rechtsextremismus”

idea-Chefredakteur nimmt Preis der Jungen Freiheit an

Der Chef der evangelikalen Nachrichtenagentur idea, Helmut Matthies, steht wegen der Annahme des Gerhard-Löwenthal-Ehrenpreises in der Kritik. Der Preis war ihm im Dezember 2009 von der rechtskonservativen Zeitung Junge Freiheit und der Förderstiftung “Konservative Bildung und Forschung” verliehen worden.

Der Bildungsdezernent der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM), Oberkirchenrat Christhard Wagner, forderte Matthies und den Vorsitzenden des idea-Trägervereins, Horst Marquardt, auf, den Preis zurückzugeben. Idea müsse sich deutlich von der Jungen Freiheit distanzieren, hieß es in einer Pressemitteilung der EKM. „Wir sehen mit der Annahme des Preises die Gefahr verbunden, dass die Tabugrenze im Graubereich zum Rechtsextremismus weiter nach unten verschoben wird“, so Wagner. Er erklärte weiter, mit der Annahme des Gerhard-Löwenthal-Ehrenpreises lasse Matthies die gesamte idea-Redaktion auf dem “Grat zum rechtsextremen Milieu balancieren”.



Sterben für Gott?

ARD-Politmagazin Panorama über christlich-fundamentalistische Missionare

„Dies ist ein Krieg und wir sind Soldaten. Ist es nicht wert dafür zu kämpfen? Ist es nicht wert dafür zu sterben?“, so warb die evangelikale Organisation „Jugend mit einer Mission“ für die Bekehrung Andersgläubiger. Das berichtete das ARD-Politmagazin Panorama im Oktober 2009. Danach hatte die fundamentalistische Organisation junge Menschen in islamisch geprägte Länder wie zum Beispiel nach Afghanistan oder in den Jemen geschickt. Für die „Missionseinsätze“ waren sie in sogenannten „Jüngerschaftsschulen” ausgebildet worden.

Drei Panorama-Reporterinnen hatten, als fromme Christinnen getarnt, eine solche Schule im sächsischen Herrnhut besucht. Eine Schülerin erzählte ihnen von ihrem letzten „Missionseinsatz“ in Afghanistan. Sie sagte, manche Muslime würden aggressiv reagieren, ein Freund von ihr sei in der Zeit umgebracht worden. Und auch sie sei bereit, ihr Leben zu lassen.

Als das ZDF einige Wochen zuvor auch einen Beitrag über christlich-fundamentalistische Missionare gezeigt hatte, protestierten nicht nur evangelikale Vertreter, sondern auch der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland. Er wandte sich gegen die angeblich diffamierende und verunglimpfende Berichterstattung. Damit stellte sich die EKD demonstrativ vor die radikalen Missionare. Der Theologe und Publizist Uwe Birnstein sagte in dem Panorama-Beitrag, dies zeige, dass die Kirche „nach rechts oder ins Fundamentalistische“ rücke. Hintergrund sei deren sinkende Mitgliederzahl.

Dagegen rechtfertigte die Hamburger Bischöfin Maria Jepsen die Kritik am ZDF. „Wir haben auch Evangelikale in unseren Reihen“, so Jepsen in der ARD, und wenn Evangelikale so pauschal angegriffen würden, würden wir mit angegriffen. Doch die Bischöfin zeigte sich schockiert, als Panorama ihr das Werbevideo von „Jugend mit einer Mission“ vorführte. „Das ist fundamentalistisch, das ist krank. Ich würde mit allen möglichen Mitteln sehen, denen muss man das Handwerk legen, den Erwachsenen“, sagte Jepsen.

Der Beitrag ist auf den Internetseiten von Panorama zu sehen.