Blog-Info

Christliche Fundamentalisten halten ihren Glauben für den einzig wahren. Die Bibel ist Glaubensgrundlage und gleichzeitig strenges Regelwerk für den Alltag. Andere Religionen lehnen sie ab, alle Nichtchristen wollen sie bekehren. Homosexualität gilt als Sünde. Sex vor der Ehe ist verpönt. Die Evolutionstheorie stellen sie in Frage. Und bibeltreue Lobbyvereine bemühen sich um Einfluss auf Politik und Medien. Wir wollen kritisch über die Evangelikale Bewegung berichten.
Unser Buch "Mission Gottesreich – Fundamentalistische Christen in Deutschland" bietet einen Überblick. In dem Blog wollen wir weiter über Beiträge, Gemeinschaften und Veranstaltungen von Evangelikalen informieren sowie auf andere Berichte über Evangelikale hinweisen. Außerdem veröffentlichen wir hier Reaktionen auf das Buch.

Werben mit dem Tod

Evangelikaler Sender versucht, mit Sterbeszene im Internet zu missionieren

Eine Frau sitzt in ihrem Auto und fährt in Gedanken versunken eine Straße entlang. Sie denkt an ihren letzten Urlaub, an ihren Mann. Plötzlich sieht der Zuschauer nur noch Bäume. Dann liegt die Frau tot auf dem Asphalt. Diese kurze vertonte Fotogeschichte zeigt der evangelikale Sender Evangeliums-Rundfunk (ERF) Ende Januar 2010 im Netz, um Menschen zum christlichen Glauben zu bekehren.

Nach der Unfall-Geschichte kann sich der Nutzer durch verschiedene Fragen klicken. Zum Beispiel: “Was kommt nach dem Tod?” Die Antwort auf der ERF-Internetseite: entweder das “ewige Leben” oder “die ewige Verdammnis” – je nachdem, ob man sich für oder gegen Gott entschieden hat.

Danach kann der Leser hier Klick für Klick zum Christen werden. Zu düsterer Musik und mit Fotos von zerstörten Gebäuden oder Grabsteinen erfährt er auf dem Weg zur Bekehrung, dass “unsere Welt” “gefährlich”, “egoistisch”, “kalt” und “sinnlos” ist. Und weiter heißt es: “Wir sind vor Gott sündig, weil wir uns gegen Gott richten.” Und: “Ein Leben in Sünde führt zum Tod.”

Doch Rettung naht: “ein Leben mit Jesus Christus.” Zu sphärischen Klängen kann der Netz-Nutzer ein Gebet nachsprechen. Darin heißt es zum Beispiel: “Übernimm Du die Führung in meinem Leben und verändere mich so, wie Du mich haben willst.” Am Ende hat der Leser die Wahl zwischen zwei Klick-Feldern: 1. “Ich habe das Gebet gesprochen und einen Anfang mit Gott gemacht.” oder 2. “Ich bin (noch) nicht bereit, mich auf Gott einzulassen.” Bei der zweiten Möglichkeit erfährt der Nutzer noch einmal: “Gehen Sie verantwortungsvoll mit ihrem Leben um, denn Sie haben nur eins!” Und mit dem nächsten Klick geht’s zurück zum Start der Fragereihe.

Weitere Blog-Artikel über evangelikale Mission: “Sterben für Gott“, “Weckt die Toten auf” oder “Gott hält Wahlversprechen“.