Blog-Info

Christliche Fundamentalisten halten ihren Glauben für den einzig wahren. Die Bibel ist Glaubensgrundlage und gleichzeitig strenges Regelwerk für den Alltag. Andere Religionen lehnen sie ab, alle Nichtchristen wollen sie bekehren. Homosexualität gilt als Sünde. Sex vor der Ehe ist verpönt. Die Evolutionstheorie stellen sie in Frage. Und bibeltreue Lobbyvereine bemühen sich um Einfluss auf Politik und Medien. Wir wollen kritisch über die Evangelikale Bewegung berichten.
Unser Buch "Mission Gottesreich – Fundamentalistische Christen in Deutschland" bietet einen Überblick. In dem Blog wollen wir weiter über Beiträge, Gemeinschaften und Veranstaltungen von Evangelikalen informieren sowie auf andere Berichte über Evangelikale hinweisen. Außerdem veröffentlichen wir hier Reaktionen auf das Buch.

Gegen Grundgesetzänderung

Bibeltreue Ärztin fordert Leitbild der Ehe zwischen Mann und Frau

Die Medizinerin und Leiterin des bibeltreuen “Deutschen Instituts für Jugend und Gesellschaft”, Christl Vonholdt, spricht sich vehement gegen einen Antrag auf eine Grundgesetzänderung aus, die Homo- und Transsexuelle besser vor Diskriminierung schützen soll. Die Parteien SPD, Bündnis 90/Die Grünen und Die Linke hatten im Bundestag diesen Antrag gestellt. Im Januar 2010 wurde darüber im Parlament beraten. Die Oppositionsparteien fordern, dass der Artikel 3, Absatz 3 um das Merkmal “sexuelle Identität” ergänzt wird. Das neue Gesetz würde damit festlegen, dass niemand wegen “seines Geschlechtes, seiner sexuellen Identität, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt” werden darf.

Vonholdt macht den Antrag Anfang Februar 2010 zum Thema ihres Editorials in der evangelikalen Zeitschrift ideaSpektrum. Aus ihrer Sicht ist die sexuelle Identität subjektiv und wandelbar. Vonholdt sieht keinen Grund, warum “subjektives Begehren” und “persönliche sexuelle Verhaltensweisen” grundgesetzlich unter Schutz gestellt werden sollten. Sie fragt sich auch, ob “Pädophilie” dazu gezählt werden könnte, und ob damit “Täterschutz vor Opferschutz” gehen würde. Christl Vonholdt hat Angst davor, dass in Kinder- und Schulbüchern vermittelt werden müsste, dass alle sexuellen Identitäten im Grundgesetz gleich verankert seien. Dazu schreibt sie: “Den Kindern wird damit das Leitbild der monogamen Ehe (ein Mann und eine Frau) als Orientierung für ihr Leben genommen.”

Doch auch ohne Grundgesetzänderung widerspricht zum Beispiel die Diskriminierung von homosexuellen Schülern im Unterricht schulischen Richtlinien. In Nordrhein-Westfalen wird in den Richtlinien zur Sexualerziehung als Ziel formuliert: “Ausbildung und Förderung gegenseitiger Akzeptanz unter allen Menschen, unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung und Identität und den damit verbundenen Beziehungen und Lebensweisen.”

Das “Deutsche Institut für Jugend und Gesellschaft” ist wiederholt in die Kritik geraten, weil seine Mitarbeiter die Veränderbarkeit von Homosexualität für möglich halten und dafür werben. Sie setzen sich laut Internetseite für Männer und Frauen ein, “die ihre homosexuelle Orientierung als unerwünscht und als konflikthaft” erleben. Die Bundesregierung warnte 2008 vor sogenannten Therapieangeboten, die eine Änderung von gleichgeschlechtlichem Sexualverhalten oder einer homosexuellen Orientierung zum Ziel hätten. Sie könnten zu Ängsten und Depressionen bis zum Selbstmord führen. Die Drucksache dazu steht im Internet. Die meisten evangelikalen Christen halten Homosexualität für Sünde, viele für eine Störung oder Krankheit.

Quelle für den Text von C. Vonholdt: ideaSpektrum Nr. 7, 17. Februar 2010, S. 3



“Antichristliche Geistesmächte”

Bibeltreue Organisation sieht sich durch liberale Gesellschaft bedroht

Erdbeben, Klimawandel, Weltfinanzkrise, Kriege und Terrorismus – die bibeltreue “Internationale Konferenz Bekennender Gemeinschaften” (IKBG) sieht darin Zeichen einer sogenannten “Endzeit”. Das schreibt die Organisation im Februar 2010 in ihrer “Eschatologischen Orientierungshilfe”. Ihre Mitglieder glauben daran, dass Jesus auf die Erde zurückkehren wird.

Die Zeitspanne vor der erwarteten “Wiederkunft” nennen sie “Endzeit”. Ihrer Ansicht nach gewinnt in dieser Zeit das “Böse” an Einfluss. In ihrem Text schreibt die IKBG, dass nicht nur die oben genannten Katastrophen “bedrohliche Vorzeichen” seien. Weiter heißt es: “Dazu gesellen sich gefährliche Ideologien, d.h. Ersatzreligionen ohne Gottesbezug, wie der Nationalismus, Marxismus, Feminismus und ein Liberalismus, der seiner eigenen Beliebigkeit folgt.”

Die Mitglieder der Organisation fühlen sich demnach bedroht durch “verführerische antichristliche Geistesmächte”. Es sei mit einer zunehmenden “Gesetzlosigkeit” und einem “massiven ethischen Verfall” zu rechnen. Teil des “Bösen” sind für sie unter anderem Homosexuelle (die hier als “aggressiv” beschrieben werden) und Abtreibungen (die hier als “größter Massenmord seit Menschengedenken” bezeichnet werden).

Zu der “Internationalen Konferenz Bekennender Gemeinschaften” gehören in Deutschland verschiedene evangelikale Gemeinschaften, die sich gegenüber liberalen Protestanten stark abgrenzen, da sie eine historisch-kritische Bibelauslegung strikt ablehnen.



Beten gegen Bhuddisten

Deutsche Welle berichtet über evangelikale Missionare in Taiwan

Der Journalist Klaus Bardenhagen berichtet Mitte Februar 2010 für den Sender Deutsche Welle über christliche Missionare in Taiwan. Hunderte seien auf der Insel im Einsatz, so Bardenhagen. Etwa achtzig Prozent der Taiwaner sind laut Beitrag Anhänger des Daoismus und Buddhismus oder vertreten die Lehren des Konfuzianismus.

Auch evangelikale Missionare wollen die Menschen in dem asiatischen Land von ihrem Glauben überzeugen. Bardenhagen berichtet von Massenveranstaltungen nach amerikanischem Vorbild, um die Taiwaner zu bekehren. Der Journalist erwähnt dabei auch eine deutsche evangelikale Missionsgesellschaft. Die bibeltreue Organisation rufe dazu auf, gegen den Buddhismus und Daoismus zu beten. Die meisten Evangelikalen lehnen andere Religionen ab, warnen oft vor ihnen und stellen sie immer wieder sehr abwertend dar. Der Beitrag ist auf den Internetseiten der Deutschen Welle nachzulesen und nachzuhören.



“Vergiftet von Scham”

Frauenzeitschrift über die Jugend in einer fundamentalistischen Gemeinde

Die Frauenzeitschrift Brigitte berichtet Mitte Februar 2010 über eine Frau, die sich als junge Erwachsene aus einer christlich-fundamentalistischen Gemeinde gelöst hat. Sie war in die strenggläubige Gemeinschaft hineingeboren worden, doch als Jugendliche begann sie zu zweifeln.

Gott wolle keinen Sex vor der Ehe, sagten ihr zum Beispiel laut Brigitte die Erwachsenen. Parties, Alkohol, bestimmte Musik und Kleidung – alles galt als böse nach den Glaubensregeln der Gemeinschaft. Aus Sicht der jungen Frau bestand ihr Leben aus “Verbotsschildern”, die sie jedoch heimlich umging. “Eigentlich habe ich mich immer geschämt, meine ganze Jugend war vergiftet von Scham”, erzählte sie der Frauenzeitschrift.

Eines Tages fragte sie ihr Pastor, ob sie mit ihrem Freund schlafe. Da war sie 19 Jahre alt. Nachdem sie “Ja” gesagt hatte, erklärte der Prediger, dass das Sünde sei. Sie musste die Gemeinde verlassen. Doch sie empfand den Rauswurf als Schritt in die “Freiheit”. Brigitte zitiert die Frau: “Wenn Gott wirklich so groß, so stark und so mächtig ist, wie man es mich von klein auf gelehrt hat, dann kommt er auch ohne mich und meinen Glauben zurecht.”

Quelle: “Endlich ungläubig” In: Brigitte Nr. 5, 10.02.2010, S. 106 – 108



Christenverfolgung “damals wie heute”

Evangelikaler Theologe sieht Religions- und Meinungsfreiheit in Gefahr

Der evangelikale Theologe Thomas Schirrmacher ist offenbar der Ansicht, dass Christen in unserer Gesellschaft vom Staat bekämpft und verfolgt werden. “Das Mittel der Christenverfolgung und der Religionsbedrückung war damals wie heute in der westlichen Welt die Rechtsprechung und die Gesetzgebung”, schreibt Schirrmacher Mitte Januar 2010 in seinem Artikel “Der aufziehende Kulturkampf 2.0″.

Der evangelikale Christ glaubt, dass viele Kräfte “gegenüber den friedlichen Kirchen von heute” einen “Kulturkampf” anstreben und organisieren. Seiner Ansicht nach will “man” die Kirchen zwingen, so zu denken und zu handeln, wie die “veröffentlichte” Meinung. Als Beispiele nennt er unter anderem die Themen Abtreibung, Sexualität, Ehe und Gender Mainstream.

Schirrmacher sieht die Religionsfreiheit auch durch die Europäische Union in Gefahr. Statt die Arbeitslosigkeit zu bekämpfen, grase die EU die Gesetzgebung ab, wo Kirchen als Religionsgemeinschaft vermeintliche Sonderrechte hätten, schreibt der bibeltreue Theologe. “Bestimmte politische Kräfte in der EU” würden die christlichen Kirchen “in die Knie zwingen” wollen. Nach Ansicht von Schirrmacher sollen “Menschen mundtot gemacht werden”. Deshalb ist es für ihn wichtig, dass man Gott mehr gehorche, wenn der Staat einen vor die Wahl stelle.

Trotz der angeblichen Christenverfolgung in Deutschland und Europa scheint er sich um die Zukunft nicht wirklich zu sorgen. Denn er schreibt: “Die christlichen Kirchen haben die Feindschaft und den Untergang Roms überlebt, den Nationalsozialismus, den Stalinismus und den Maoismus und viele weniger brutale Herausforderungen.”

Thomas Schirrmacher ist Rektor des evangelikalen “Martin Bucer Seminars” und arbeitet unter anderem für den evangelikalen Dachverband “Deutsche Evangelische Allianz”. In einer ausführlichen Kritik unseres Buches “Mission Gottesreich – Fundamentalistische Christen in Deutschland” warf Schirrmacher auch uns Diskriminierung von Christen vor.



“Mahnendes (internes) Wort an die Kanzlerin”

Mit christlicher Mission in die Politik: ehemaliger ZDF-Journalist Alsleben

Der ehemalige Korrespondent im ZDF-Hauptstadtstudio Thorsten Alsleben arbeitet seit Januar 2010 im Bundesministerium für Arbeit und Soziales. Und weil er “bekennender Christ” ist, berichtet über seinen Wechsel in die Politik auch die evangelikale Nachrichtenagentur idea. Alsleben sei nun zuständig für die “Strategische Kommunikation” des Arbeitsministeriums und für die Reden von Ministerin Ursula von der Leyen.

Als Journalist hatte er selbst für das bibeltreue Magazin ideaSpektrum geschrieben und nach der Bundestagswahl 2009 zwei personalpolitische Entscheidungen gelobt: “die Wahl von Hermann Gröhe zum neuen CDU-Generalsekretär und die Wiederwahl von Volker Kauder zum Chef der CDU/CSU-Bundestagsfraktion”. Damit habe Bundeskanzlerin Angela Merkel an die “Spitze ihrer wichtigsten Machtbastionen” “engagierte evangelische Christen” gestellt, so Alsleben im idea-Editorial Ende Oktober 2009. Und der damalige Fernsehjournalist schrieb weiter: “Sie können, wenn es mal dringend notwendig ist, ein mahnendes (internes) Wort an die Kanzlerin richten, und sie können andere Christen ermutigen, sich in Parteien zu engagieren.”

Enttäuscht zeigte sich Alsleben in seinem Text zur schwarz-gelben Koalition über “das Fehlen jeglicher Änderungsvorschläge bei der strafrechtlichen Behandlung von Abtreibungen”. “Wenigstens soll gewerbsmäßige Sterbehilfe (bei geborenen Menschen) strafbar werden”, so der damalige Journalist. Außerdem schrieb er, für “Christen” sei vielleicht auch interessant, was nicht in den Koalitionsvertrag gekommen sei. So habe die FDP keine Gleichstellung der homosexuellen Lebenspartnerschaften mit der Ehe durchsetzen können und auch kein Adoptionsrecht für Homosexuelle.

Quelle: ideaSpektrum Nr. 44,  28. Oktober 2009,  S.3

Alsleben sollte offenbar ursprünglich Sprecher des Arbeitsministeriums werden – darüber berichteten unter anderem das Handelsblatt und die Frankfurter Rundschau.

Weitere Blogtexte: “Graubereich zum Rechtsextremismus” und “Evangelikale als eine Macht in der Politik“.