Blog-Info

Christliche Fundamentalisten halten ihren Glauben für den einzig wahren. Die Bibel ist Glaubensgrundlage und gleichzeitig strenges Regelwerk für den Alltag. Andere Religionen lehnen sie ab, alle Nichtchristen wollen sie bekehren. Homosexualität gilt als Sünde. Sex vor der Ehe ist verpönt. Die Evolutionstheorie stellen sie in Frage. Und bibeltreue Lobbyvereine bemühen sich um Einfluss auf Politik und Medien. Wir wollen kritisch über die Evangelikale Bewegung berichten.
Unser Buch "Mission Gottesreich – Fundamentalistische Christen in Deutschland" bietet einen Überblick. In dem Blog wollen wir weiter über Beiträge, Gemeinschaften und Veranstaltungen von Evangelikalen informieren sowie auf andere Berichte über Evangelikale hinweisen. Außerdem veröffentlichen wir hier Reaktionen auf das Buch.

Für Gewalt gegen Kinder “aus echter Liebe”

Evangelist spricht sich für Schläge als Erziehungsmethode aus

Die Bibel spreche “eindeutig” von der “Notwendigkeit und Nützlichkeit von Zucht”, findet der Evangelist Wolfgang Bühne aus Meinerzhagen nach Angaben der evangelikalen Zeitschrift ideaSpektrum Ende April 2010. “In bestimmten Fällen von bewusst bösartigem Verhalten kann das auch körperliche Zucht beinhalten”, so Bühne.

Er sei nicht für Ohrfeigen, aber für eine “weise körperliche Züchtigung”, wie sie die Bibel beschreibe. Zucht sollte allerdings “nie im Zorn”, sondern “aus echter Liebe”, “wohldosiert” und “angemessen an der Körperstelle vollzogen werden, die der Schöpfer besonders gut gepolstert hat”, erklärt Wolfgang Bühne – laut ideaSpektrum Vater von sieben Kindern.

Ein Aufruf zu Gewalt gegen Kinder? In Deutschland haben Kinder ein Recht auf gewaltfreie Erziehung, so steht es im Bürgerlichen Gesetzbuch: “Körperliche Bestrafungen, seelische Verletzungen und andere entwürdigende Maßnahmen sind unzulässig.”



Die richtige Botschaft verbreiten

Buchautor ruft “Christen” auf, sich in die Medien-Berichterstattung einzumischen

“Medien – Die Werte der Meinungsmacher” – so heißt das aktuelle Buch von Andreas Dippel. Der Journalist leitet die Redaktion des evangelikalen Medienmagazins Pro. Deshalb ist das Buch auch in erster Linie ein Blick aus bibeltreuer Sicht auf die deutsche Medienlandschaft. Der Verlag nennt es auf dem Umschlag “eine kleine christliche Medienethik”.

Und so beginnt das erste Kapitel mit dem Satz: “Unter dem Blickwinkel der Medien ist die Situation der Christenheit in Deutschland erschütternd.” Damit beklagt Dippel, dass in Deutschland häufiger über den FC Bayern München berichtet werde als über die Arbeit der evangelischen und katholischen Kirche zusammen. Das ergab laut Dippel eine Untersuchung des Instituts “Media Tenor”. Weiter kritisiert der Journalist die Sensationslust vieler Medien und sogenannte “Problemsender” wie “Astro-TV”, “Sündenkanal” oder “Heiße Girls 666″.

Dippel findet offenbar auch, dass Christen – insbesondere evangelikale Christen – in den Medien immer wieder falsch dargestellt werden. Wenn “Journalisten über Gruppierungen unter Christen” schreiben, die sie als „christliche Fundamentalisten“ bezeichnen, wünscht sich Dippel, einen genaueren und objektiveren Blick.

Und Dippel will sich gegen kritische Berichterstattung wehren. An unzähligen Stellen ruft er “Christen” dazu auf, “ihrer eigenen Position Gehör zu verschaffen”. “Leserbriefe zu schreiben, sich in Foren zu beteiligen oder Hörer- und Zuschauertelefone zu nutzen muss zu einer neuen Selbstverständlichkeit werden”, so Dippel. Und Pastoren gibt er den Tipp, einfach mal den Chefredakteur seiner Lokalzeitung zu besuchen. “Ganz zwanglos, einfach vorher anrufen und sich vorstellen.”

Am Ende kann man zu dem Eindruck kommen, dass es dem Autoren nicht so sehr um die “Werte der Meinungsmacher” geht, sondern viel eher darum, die Meinung vieler sogenannter Meinungsmacher und deren Berichterstattung zu ändern. Denn so heißt es auch: “Christen können dazu beitragen, dass die Botschaft, die sie den Menschen schuldig sind, mehr und mehr über die Medien verbreitet wird.”

Quelle: Dippel, Andreas: “Medien – Die Werte der Meinungsmacher”, Brunnen Verlag 2010.

Das Medienmagazin Pro hat 2009 auch ein Interview mit uns über “Mission Gottesreich – Fundamentalistische Christen” veröffentlicht – mehr dazu hier.



Wulff spricht vor umstrittener evangelikaler Organisation

Niedersachsens Ministerpräsident tritt beim “Arbeitskreis Christlicher Publizisten” auf

Nach einem Bericht des Norddeutschen Rundfunks hat Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) am 19. Mai 2010 bei einer Tagung des umstrittenen evangelikalen “Arbeitskreises Christlicher Publizisten” (ACP) gesprochen. In Bad Gandersheim war offenbar eine Rede zum Thema “Politik in christlicher Verantwortung in einer modernen Welt” geplant.

Dem ACP wurden mehrfach extrem rechte Sichtweisen vorgeworfen, außerdem die Diskriminierung homosexueller Menschen. Jürgen Schnare, Weltanschauungsbeauftragter der evangelischen Landeskirche in Hannnover sagte der NDR-Sendung “Niedersachsen 18.00″, die dort vertretene Haltung gegenüber Homosexuellen sei nicht die der Landeskirche. Das Christentum werde hier sehr “einseitig” interpretiert, so Schnare. Die Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen in Berlin rät laut NDR zu Distanz zu dieser Gruppe. Der Name sei danach irreführend, seriöse evangelische und katholische Publizisten seien dort nicht vertreten, sagte die Theologin Claudia Knepper von der Zentralstelle.

In einem Antrag der baden-württembergischen SPD Anfang 2003 heißt es: “Nach Auffassung des Sektenbeauftragten der Evangelischen Landeskirche Hans-Jörg Hemminger handelt es sich bei der Zeitschrift des ACP um ein ‘Schmutzblatt erster Güte’, das am äußersten rechten Rand des Protestantismus angesiedelt ist, mit rechten Sektengruppierungen Kontakte unterhält und den sogenannten ‘Republikanern’ ein Forum bot.” Auch die SPD in Niedersachsen stellte 2004 eine kritische Anfrage zum ACP.

Der Vorsitzende des ACP, Heinz Matthias, hatte Ende 2008 auch auf dem Bundesparteitag der christlich-fundamentalistischen “Partei Bibeltreuer Christen” (PBC) gesprochen. Matthias gab ihnen in seiner Rede Tipps für die Pressearbeit. Die Partei richtet sich unter anderem gegen Abtreibung und hetzt gegen Homosexuelle. In einer Broschüre der PBC steht zum Beispiel, dass Homosexualität “widernatürliches Verhalten” sei.

Der “Arbeitskreis Christlicher Publizisten” schreibt Mitte Mai 2010 auf seiner Internetseite: “Der ACP ist eine parteiunabhängige, internationale Vereinigung von Personen, deren Ziel eine angemessene Publizierung von biblischen Denk- und Handlungsweisen und der Vertretung christlicher Werte in den modernen Massenmedien ist.” Der ACP stelle sich bewusst dem Trend entgegen, der die biblische Botschaft politisiere oder in der Substanz verwässere, heißt es dort weiter.

In einer ersten Stellungnahme erklärte die Staatskanzlei nach Angaben des NDR, sämtliche Termine des Ministerpräsidenten würden auf ihre Unbedenklichkeit überprüft. Der ACP sei ein konservativer Verein, und der Ministerpräsident müsse sich dessen Auffassung nicht zu eigen machen. Im Übrigen werde der ACP auch nicht vom Verfassungsschutz beobachtet.

Weitere Blogtexte: “Evangelikale als eine Macht in der Politik” und “Graubereich zum Rechtsextremismus