taz über Reaktionen der Oppposition nach Wulff-Rede vor evangelikaler Organisation
Kurz vor seiner Nominierung zum Bundespräsidenten-Kandidaten war Christian Wulff (CDU) bei einer Veranstaltung der umstrittenen Organisation “Arbeitskreis Christlicher Publizisten” (ACP) aufgetreten. Kritiker werfen dem ACP christlich-fundamentalistische und extrem rechte Ansichten vor. Über Reaktionen von SPD, Grünen und Linkspartei berichten Mitte Juni 2010 taz und NDR. “Die Opposition sieht die Regierung blamiert, die CDU findet alles ganz normal”, schreibt der Autor Andreas Speit in seinem Artikel “Wulff’scher Fehltritt: Evangelikale sonnen sich in Landesvaters Glanz”.
Die Fraktionsvorsitzende der Linken im niedersächsischen Landtag Kreszentia Flauger halte den ACP für eine “christlich-fundamentalistische Lobbygruppe, die sich am rechten Rand” bewege, heißt es in der taz. In einer aktuellen Stunde habe sie gefragt, warum Wulff die Einladung der Organisation angenommen habe. Flauger findet laut taz, dass der Ministerpräsident mit seinem Besuch diese Kreise aufwerte. Auch Helge Limburg von der Grünen-Fraktion, wollte wissen, warum die Staatskanzlei die Einladung nicht abgelehnt habe. “Experten warnen doch schon lange vor dem ACP, weil er rechte Sichtweisen vertrete und eine klare Distanzierung von rechtsextremen Gedankengut vermissen lässt”, habe Limburg laut Speit gesagt.
Der Ministerpräsident fehlte nach Angaben der taz in der aktuellen Stunde. Kultusminister Bernd Althusmann (CDU) vertrat ihn und wies die Kritik an Wulff zurück. Auf Flaugers Frage, ob Wulff in Zukunft auch bei islamischen Fundamentalisten Vorträge halten werde, habe Althusmann laut taz geantwortet: “Der Ministerpräsident wird keine Veranstaltung von verfassungsfeindlichen Organisationen besuchen.” Der Minister habe außerdem darauf hingewiesen, dass Wulff nicht automatisch die Meinung derjenigen teile, bei denen er einen Vortrag halte.
Wulff selbst sprach sich in der ARD-Sendung “Farbe bekennen” für einen Dialog zwischen Christentum, Judentum und Islam aus. Es sei ganz wesentlich, dass die monotheistischen Weltreligionen auch das Gemeinsame suchten, nicht nur das Trennende, um damit “die Gefahr der Parallelgesellschaft, des Gegeneinanders, Gewalttätigen und Fundamentalistischen” einzudämmen.
Auch der Norddeutsche Rundfunk berichtete über die Anhörung, hier nachzulesen. Weitere Blogtexte zum Thema: “Wulff unterstützt evangelikale Organisation ‘ProChrist’“, “Nach Wulff-Auftritt: weitere Kritik am ACP“, “Wulff spricht vor umstrittener evangelikaler Organisation” und ein Blogbeitrag über die evangelikale Organisation “ProChrist” “Von Gott zurüsten lassen“.