Blog-Info

Christliche Fundamentalisten halten ihren Glauben für den einzig wahren. Die Bibel ist Glaubensgrundlage und gleichzeitig strenges Regelwerk für den Alltag. Andere Religionen lehnen sie ab, alle Nichtchristen wollen sie bekehren. Homosexualität gilt als Sünde. Sex vor der Ehe ist verpönt. Die Evolutionstheorie stellen sie in Frage. Und bibeltreue Lobbyvereine bemühen sich um Einfluss auf Politik und Medien. Wir wollen kritisch über die Evangelikale Bewegung berichten.
Unser Buch "Mission Gottesreich – Fundamentalistische Christen in Deutschland" bietet einen Überblick. In dem Blog wollen wir weiter über Beiträge, Gemeinschaften und Veranstaltungen von Evangelikalen informieren sowie auf andere Berichte über Evangelikale hinweisen. Außerdem veröffentlichen wir hier Reaktionen auf das Buch.

Wulff bei ProChrist: Theologin fordert Austritt

Theologin Dietrich spricht im Deutschlandradio über “fundamentalistische Bewegung”

Niedersachens Ministerpräsident und Kandidat für das Amt des deutschen Bundespräsidenten, Christian Wulff (CDU), ist Mitglied im Kuratorium der evangelikalen Organisation “ProChrist”. Über die bibeltreue Bewegung sprach deshalb Moderator Frank Meyer Ende Juli 2010 im Deutschlandradio mit der Theologin und Journalistin Kirsten Dietrich. In dem Interview bezeichnete Dietrich “ProChrist” als “eine Art christlicher Eventmanager”, der Missionsveranstaltungen “für jeden Bedarf” organisiere.

Für die Theologin ist “ProChrist” eine “fundamentalistische Bewegung”. Fundamentalisten seien Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden, so Dietrich, als man sich von christlicher Seite aus gegen Entwicklungen wie zum Beispiel die Darwin’sche Evolutionstheorie oder moderne Bibelkritik gewehrt habe. Christliche Fundamentalisten – das sei “eine ganz unglaublich vielfältige und weit gefächerte Bewegung”, sagte die Theologin. Aber sie lasse sich immer wieder auf ihren fundamentalistischen Kern zurückführen – “also eine möglichst wörtliche Interpretation der Bibel und ein deutlicher Abstand zu allem, was man als Wissenschaft bezeichnen könnte”.

Für “politisch gefährlich” halte sie die Bewegung nicht, so Dietrich, da sie sich am Rand des Parteigeschehens halte. Für Menschen, die in diesen Gruppierungen drin seien, aber nicht “direkt ins Raster” passten, sei es jedoch schwierig – zum Beispiel für Homosexuelle. “Die finden in evangelikalen Gemeinden keinen Ort, die finden niemanden, der sie so akzeptiert, wie sie sind”, sagte die Theologin in dem Hörfunkgespräch.

“ProChrist” zeige deutlich, dass jede Religion “immer auch irrationale Elemente” habe. Religionen würden eine “Eigengesetzlichkeit” vertreten, die sage, “letztendlich ist Gott die höchste Autorität, die wir haben”. Dafür ständen diese Gruppen, so Dietrich. Ihrer Meinung nach steht dafür aber nicht der Bundespräsident – der sollte dafür stehen, “dass wir in einem Rechtsstaat leben und dass da die Autorität liegt”. Deshalb hält sie die Mitgliedschaft von Wulff bei “ProChrist” für falsch. Sie forderte: “Ich finde es sogar nötig, dass Christian Wulff von diesem Amt zurücktritt.”

Das Interview ist auf den Deutschlandradio-Internetseiten nachzulesen und nachzuhören. Weitere Blog-Texte zum Thema: “Nach Wulff-Auftritt bei ACP: Anhörung im Landtag“, “Wulff unterstützt evangelikale Organisation ‘ProChrist’“, “Nach Wulff-Auftritt: weitere Kritik am ACP“, “Wulff spricht vor umstrittener evangelikaler Organisation” und ein Blogbeitrag über die evangelikale Organisation “ProChrist” “Von Gott zurüsten lassen“.