Blog-Info

Christliche Fundamentalisten halten ihren Glauben für den einzig wahren. Die Bibel ist Glaubensgrundlage und gleichzeitig strenges Regelwerk für den Alltag. Andere Religionen lehnen sie ab, alle Nichtchristen wollen sie bekehren. Homosexualität gilt als Sünde. Sex vor der Ehe ist verpönt. Die Evolutionstheorie stellen sie in Frage. Und bibeltreue Lobbyvereine bemühen sich um Einfluss auf Politik und Medien. Wir wollen kritisch über die Evangelikale Bewegung berichten.
Unser Buch "Mission Gottesreich – Fundamentalistische Christen in Deutschland" bietet einen Überblick. In dem Blog wollen wir weiter über Beiträge, Gemeinschaften und Veranstaltungen von Evangelikalen informieren sowie auf andere Berichte über Evangelikale hinweisen. Außerdem veröffentlichen wir hier Reaktionen auf das Buch.

Keine Anerkennung freikirchlicher Ausbildung

Beschluss des evangelisch-theologischen Fakultätentags zu Studienleistungen

Leistungen von Studierenden an Ausbildungsstätten von Freikirchen werden an staatlichen Universitäten und kirchlichen Hochschulen in der Regel nicht anerkannt. Das hat der evangelisch-theologische Fakultätentag 2010 beschlossen. Ausnahmen seien nur in Einzelfällen möglich.

Der Fakultätentag begründet seine Entscheidung damit, dass die freikirchlichen Ausbildungsstätten einige zentrale Bedingungen nicht erfüllen würden. Laut dem Bericht entsprechen sie zum Beispiel in Forschung und Lehre nicht den wissenschaftlichen Maßstäben der Unis.

Der Fakultätentag ist die Vereinigung der evangelisch-theologischen Fakultäten an staatlichen Universitäten und der Kirchlichen Hochschulen in Deutschland. Sein Beschluss betrifft die Theologische Hochschule Reutlingen, das Theologische Seminar Elstal, die Freie Theologische Hochschule Gießen und die Theologische Hochschule Tabor.



Freikirchen: “Heimliche Kultur des Prügelns”

Medien berichten, dass Eltern aus Freikirchen ihre Kinder häufiger schlagen

Eltern, die evangelischen Freikirchen angehören, schlagen ihre Kinder laut Spiegel auffällig oft. Das Nachrichtenmagazin bezieht sich auf eine Studie des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen (KFN). Die Wissenschaftler hatten 45.000 Neuntklässler im Alter zwischen 14 bis 16 Jahren aus 61 deutschen Städten und Landkreisen befragt.

Die Befragung ergab, dass Kinder von Mitgliedern in Freikirchen häufiger geschlagen werden als andere. In der Spiegel-Meldung “Massive Schläge” heißt es Mitte Oktober 2010: “Mädchen und Jungen, die ihre evangelikalen Eltern in der Umfrage als ’sehr religiös’ bezeichneten, wurden nur zu 27 Prozent gewaltfrei erzogen; 21,3 Prozent gaben sogar an, dass sie massiven Schlägen ausgesetzt seien.”

Auch sueddeutsche.de berichtet über das Studienergebnis. In dem Artikel heißt es, nach Angaben von Studienleiter Christian Pfeiffer zeigten die Daten, dass sich mit zunehmender Religiosität offenbar stärker gewaltorientierte Erziehungsmethoden der Eltern ergeben würden. Das gelte vor allem für jene, die evangelikal-freikirchlich seien. Und das, obwohl Kinder in Deutschland ein Recht auf gewaltfreie Erziehung haben. Im Bürgerlichen Gesetzbuch steht: “Körperliche Bestrafungen, seelische Verletzungen und andere entwürdigende Maßnahmen sind unzulässig.”

Bereits Ende September 2010 hatte die Süddeutsche Zeitung über christlich-fundamentalistische Eltern berichtet, die ihre Kinder schlagen. In dem Artikel “Liebe deinen Nächsten – auch mit der Rute” sprechen die Autoren von einer “heimlichen Kultur des Prügelns”. Sie zitieren aus einem evangelikalen Erziehungsratgeber, der zum Beispiel empfiehlt, dass Schläge zur Erziehung Schmerzen verursachen müssten.

Diesem Artikel widmet sich übrigens das Editorial des evangelikalen Magazins ideaSpektrum Mitte Oktober 2010. Der evangelikale Theologe Hans-Georg Wünch bezeichnet den oben genannten Erziehungsratgeber dort zwar als “einseitiges und gefährliches Werk”, bezieht aber ansonsten keine klare Stellung zur Gewalt in der Erziehung. In seinem Gastkommentar bestreitet er weder, dass viele Eltern aus Freikirchen ihre Kinder schlagen, noch ruft er an dieser Stelle zu gewaltfreier Erziehung auf.