Blog-Info

Christliche Fundamentalisten halten ihren Glauben für den einzig wahren. Die Bibel ist Glaubensgrundlage und gleichzeitig strenges Regelwerk für den Alltag. Andere Religionen lehnen sie ab, alle Nichtchristen wollen sie bekehren. Homosexualität gilt als Sünde. Sex vor der Ehe ist verpönt. Die Evolutionstheorie stellen sie in Frage. Und bibeltreue Lobbyvereine bemühen sich um Einfluss auf Politik und Medien. Wir wollen kritisch über die Evangelikale Bewegung berichten.
Unser Buch "Mission Gottesreich – Fundamentalistische Christen in Deutschland" bietet einen Überblick. In dem Blog wollen wir weiter über Beiträge, Gemeinschaften und Veranstaltungen von Evangelikalen informieren sowie auf andere Berichte über Evangelikale hinweisen. Außerdem veröffentlichen wir hier Reaktionen auf das Buch.

Bibel im Bio-Unterricht: “Kreationistischer Hokuspokus”

Die Süddeutsche Zeitung berichtet über evangelikale Schulen

Zehntausende Schüler lernen in Deutschland an freikirchlichen Bekenntnisschulen. Das berichtet sueddeutsche.de im Dezember 2011. Die Grundlage für den Unterricht dieser staatlich anerkannten Schulen  sei die Bibel – und zwar nicht nur für den Religionsunterricht, sondern für alle Fächer.

Glauben und Wissenschaft würden deshalb auch in den Naturwissenschaften vermischt. So würden evangelikale Lehrer zwar die Evolutionstheorie lehren, gleichzeitig aber ihre Ablehnung deutlich zeigen. Denn Lehrer an christlich-fundamentalistischen Schulen glauben in der Regel, dass die Erde von Gott erschaffen wurde, so wie es in der Bibel steht. Und diesen Glauben vermitteln sie auch im Biologie-Unterricht.

Wissenschaftler warnen deshalb laut Süddeutsche Zeitung vor “kreationistischem Hokuspokus” und einem “unakzeptablen Gemisch aus Fakten und Fiktionen”. Der Beitrag “Wenn die Bibel zum Gesetz wird” ist auf den Seiten von sueddeutsche.de nachzulesen.



“Christian Wulff und die Evangelikalen”

Das Online-Kulturmagazin Perlentaucher über den Präsidentschaftskandidaten

Auch Perlentaucher-Autor und -Gründer Thierry Chervel schreibt über den Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten Christian Wulff (CDU) und seine Mitgliedschaft im Kuratorium der evangelikalen Organisation “ProChrist“. Seinen Blog-Artikel “Christian Wulff und die Evangelikalen” veröffentlicht er in dem Internet-Kulturmagazin Mitte Juni 2010.

Chervel kritisiert darin unter anderem den “ProChrist”-Leiter Ulrich Parzany und schreibt, dass der Prediger “praktizierte Homosexualität” ablehne und glaube, dass Homosexualität “gewissermaßen heilbar” sei. Auch klinge eine Äußerung des Predigers wie ein “Bekenntnis zum Kreationismus”, so der Blog-Autor.

Die niedersächsische Staatskanzlei bestätigte Perlentaucher Wulffs Mitgliedschaft bei “ProChrist”. Der Ministerpräsident habe danach im Februar 2005 seine Bereitschaft zur Mitwirkung im Kuratorium für das Jahr 2006 erklärt, weil diesem auch der damalige EKD-Ratsvorsitzende Bischof Wolfgang Huber angehört habe, heißt es. Wulff habe 2006 ein Grußwort für eine Veranstaltung in Holzminden gesendet, so die Staatskanzlei laut Perlentaucher.

Am Ende seines Blog-Artikels fordert Chervel : “Wulff muss noch vor der Wahl in der Bundesversammlung aus dem Kuratorium von ‘ProChrist’ austreten.”

Weitere Blog-Texte zum Thema: “Nach Wulff-Auftritt bei ACP: Anhörung im Landtag“, “Wulff unterstützt evangelikale Organisation ‘ProChrist’“, “Nach Wulff-Auftritt: weitere Kritik am ACP“, “Wulff spricht vor umstrittener evangelikaler Organisation” und ein Blogbeitrag über die evangelikale Organisation “ProChrist” “Von Gott zurüsten lassen“.



„Mit der Bibel zum Abitur“

WDR-Fernsehbeitrag über christliche Privatschulen

„Einzige Autorität und Richtschnur für Leben und Lehre ist die Bibel, das zuverlässige und wahrhaftige Wort Gottes“, das ist nicht nur das Glaubensbekenntnis vieler bibeltreuer Gemeinden, sondern auch das Leitbild einer deutschen Schule – der Georg-Müller-Gesamtschule in Bielefeld. Über diese und andere christliche Privatschulen in Nordrhein-Westfalen berichten die Autoren Frank Papenbroock und Peters Moers in ihrem WDR-Fernsehfilm „Mit der Bibel zum Abitur“ Ende Mai 2009. Darin zeigen sie, dass in evangelikalen Schulen im Biologieunterricht neben der Evolutionstheorie oft auch die biblische Schöpfungsgeschichte gelehrt wird. Eine Schülerin erklärt, sie glaube, dass die Erde nur etwa 6000 Jahre alt sei. „Eine realistische Zahl“, so die 18-Jährige. Auch gesicherte Erkenntnisse über die Entstehung der Steinkohle stellt ein bibeltreuer Lehrer in dem Film in Frage, weil sie aus seiner Sicht Texten der Bibel widersprechen. Homosexualität lehnen evangelikale Christen ab, denn sie gilt als Sünde. Und diese Überzeugung wird offenbar auch an bibeltreuen Schulen vertreten. Ein Lehrer erklärt vor der Kamera: „Sexualität ist etwas, was mir Gott gegeben hat, nicht nur für mich, sondern für das andere Geschlecht.“

Die Zahl christlicher Privatschulen nimmt laut dem Beitrag zu. Denn in Deutschland könne praktisch jeder eine Privatschule eröffnen, erklären die Autoren, und zwar mit großzügiger staatlicher Unterstützung. Fast neunzig Prozent der Gesamtkosten kämen vom Steuerzahler, heißt es im Film. Doch Privatschulen werden offennbar kaum kontrolliert. Die nordrhein-westfälische Schulministerin Barbara Sommer von der CDU sieht hier offenbar kein Problem und sagt auf Nachfrage, dass Ersatzschulen die Schullandschaft bereicherten. Sie nehme die Eigenverantwortung der Schulen sehr ernst. Eine Lehrerin einer staatlichen Schule in Hennef in der Nähe von Bonn äußert sich dagegen besorgt. Sie befürchtet, dass sich „eine Art Parallelgesellschaft“ bilde. Auch die Grünen-Politikerin Sigrid Beer sagt, man müsse sich gegen Fundamentalismus wenden – egal ob gegen christlichen oder islamischen. Am Ende des Films kommen die Autoren Frank Papenbroock und Peter Moers zu dem Schluss: „Es kann zu Lasten der Kinder gehen und zu Lasten des Steuerzahlers, der auch für wissenschaftsfeindliche Parallelwelten tief in die Tasche greift.“



„Intellektueller Skandal“

Britischer Dokumentarfilmer kritisiert Kreationisten

„Jede Gesellschaft, die wir bisher kennen, hielt es für notwendig, eine Erzählung zu haben, die erklärt, warum wir hier sind“, kommentiert der britische Dokumentarfilmer David Attenborough die biblische Schöpfungsgeschichte. „Und die Menschen im Mittleren Osten dachten eben, dass Gott den ersten Menschen aus Ton geformt und ihm Leben eingehaucht hat, um dann eine seiner Rippen zu verwenden, um die erste Frau zu schaffen“, sagt Attenborough Mitte Mai 2009 in einem Interview der Frankfurter Rundschau. Jede Gesellschaft habe solche Mythen, so der preisgekrönte Naturfilmer. Heute gebe es allerdings genügend Beweise und Belege zur Entstehung der natürlichen Welt. Deshalb ist für Attenborough auch völlig klar, dass Menschen mit Affen verwandt seien.

Der Kreationismus dagegen beruhe nicht auf faktenbasiertem Beweismaterial, so Attenborough. Christliche Kreationisten glauben, dass die Welt so erschaffen worden ist, wie es in der Bibel steht. Wissenschaftliche Erkenntnisse, die der Bibel widersprechen, lehnen sie ab. Sie zweifeln deshalb auch an der Evolutionstheorie. David Attenborough sagt in dem Zeitungsinterview, es sei ein „historisches Faktum“, das alles Leben durch Evolution entstanden sei. Dafür sei die Beweislage sehr viel besser als für viele historische Ereignisse, die wir in unserem Geschichtsunterricht lehren würden, so der Filmemacher. Viele Entdeckungen der letzten Jahrzehnte – von der Entschlüsselung der DNA bis zur Kontinentaldrift – hätten die Evolutionstheorie noch weiter bestätigt. Besonders scharf kritisiert der Brite, wenn die biblische Schöpfungsgeschichte auf Betreiben von Kreationisten parallel zur Evolutionstheorie in der Schule gelehrt wird. „Das ist ein intellektueller Skandal“, findet David Attenborough.

Das ganze Interview über „Darwin, Dinosaurier und blaugesichtige Affen“ ist auf den Internetseiten der Frankfurter Rundschau nachzulesen. In dem Artikel „Gestalten ohne Gestalter“ in der Süddeutschen Zeitung werden die Mechanismen der Evolution erklärt und auch Überzeugungen von Kreationisten, den Anhängern des sogenannten Intelligent Designs, widerlegt. Die Technische Universität Dortmund veranstaltet im Sommersemester 2009 die interdisziplinäre Vorlesungsreihe „Darwins (r)evolutionäre Gedanken“ – darunter auch Vorträge zum Kreationismus in Deutschland und den USA. Weitere Blogtexte zum Thema: „Evangelikaler hält Evolution für Ideologie“ und „Kreationismus im Hörsaal“.



Evangelikaler hält Evolution für Ideologie

Vorsitzender von Altpietisten-Verband wirbt für Schöpferglauben

„Es wird Zeit, dass wir Christen aufstehen und gemeinsam unseren Glauben an den Schöpfer bekennen“, schreibt der Evangelikale Steffen Kern Anfang April 2009 in dem Blatt „Gemeinschaft“. Der Vorsitzende des württembergischen Altpietistischen Gemeinschaftsverbandes hält die biblische Schöpfungsgeschichte offenbar für ein wissenschaftliches Modell. Denn er schreibt, dass sich mit der Alternative „Schöpfung – Evolution“ „zwei naturwissenschaftliche Modelle“ gegenüberständen. Weiter scheint „Evolution“ für Kern auch eine Weltanschauung zu sein. Er meint: „Ein vorbehaltloses Ja zur Evolution verkennt deren weltanschaulichen Charakter.“ Ihm gehe es um eine „Kritik an der Evolution als Ideologie“, so Kern. Und sogenannte „radikale Evolutionisten“ befördern aus seiner Sicht ein „zutiefst unmenschliches Menschenbild, das einem ideologischen Totalitarismus Tür und Tor“ öffne. Doch er fügt hinzu, dass nicht jeder Verfechter der Evolutionstheorie anfällig sei für „faschistische Propaganda“.
Die Evolutiontheorie erklärt die Entwicklung von Lebewesen und damit auch die Entstehung des Menschen. Da sie Aussagen der Bibel widerspricht, lehnen viele Evangelikale sie ab. Einige behaupten deshalb auch, die Evolution sei eine Weltanschaung und eine Glaubensfrage.



Kreationismus im Hörsaal

Evangelikaler führt Kampf gegen die Evolutionstheorie

Als Ingenieur ist er in Rente, doch als bibeltreuer Missionar arbeitet er engagiert weiter. Und dabei führt Werner Gitt seinen persönlichen Kampf gegen die „Evolutionslehre“. So fragt sich der bibeltreue Christ in einer seiner Broschüren: „Warum ist die Evolutionslehre so gefährlich?“ Seine Antwort heißt, sie verführe die Menschen zum Atheismus, und mit „atheistischer Einstellung“ landeten sie „nach dem Zeugnis Jesu in der Hölle“. Für ihn ist Gott der „Schöpfer“, Christus der „unverrückbare Fels“. „Ideologien, Atheismen und Evolutionssysteme zerschellen hier“, so Gitt. Der Kreationist ist überzeugt davon, dass Gott die Erde in sechs Tagen geschaffen hat. Dabei unterliegen seiner Ansicht nach die „Methoden“ des „Schöpfers“ nicht dem „naturgesetzlichen Geschehen“. Gitt schreibt: „Die heutigen Naturgesetze regeln die Abläufe in unserer Welt; sie sind aber nicht die Ursache, sondern erst das Ergebnis der Schöpfung.“ Gitt wirbt immer wieder während öffentlicher Missionsveranstaltungen für seinen bibeltreuen Glauben und leugnet dabei naturwissenschaftliche Erkenntnisse. Im Herbst 2008 durfte er seinen Vortrag „Warum ich als Wissenschaftler an die Bibel glaube“ auch im Audimax der Leibniz Universität Hannover halten. Im Februar 2009 referierte er dort erneut vor Studierenden. Veranstalter war in beiden Fällen das evangelikale Forum Bibel – Glaube – Wissenschaft.