Christliche Fundamentalisten halten ihren Glauben für den einzig wahren. Die Bibel ist Glaubensgrundlage und gleichzeitig strenges Regelwerk für den Alltag. Andere Religionen lehnen sie ab, alle Nichtchristen wollen sie bekehren. Homosexualität gilt als Sünde. Sex vor der Ehe ist verpönt. Die Evolutionstheorie stellen sie in Frage. Und bibeltreue Lobbyvereine bemühen sich um Einfluss auf Politik und Medien. Wir wollen kritisch über die Evangelikale Bewegung berichten.
Unser Buch "Mission Gottesreich – Fundamentalistische Christen in Deutschland" bietet einen Überblick. In dem Blog wollen wir weiter über Beiträge, Gemeinschaften und Veranstaltungen von Evangelikalen informieren sowie auf andere Berichte über Evangelikale hinweisen. Außerdem veröffentlichen wir hier Reaktionen auf das Buch.
Deutschlandradio Kultur-Interview mit Bischof Huber
„Hoffentlich werden viele erreicht, die in Folge der DDR-Geschichte den Glauben an Gott verlernt haben und ihn jetzt hoffentlich wieder buchstabieren lernen“, mit diesen Worten lobte der EKD-Ratsvorsitzende Bischof Huber die Missionsveranstaltung „ProChrist“ in Chemnitz. In einem Interview im Deutschlandradio am 31.3.2009 verteidigte er seine Unterstützung für das von Evangelikalen organisierte Glaubensfestival. Er wandte sich gegen Vorwürfe, Veranstaltungen wie „ProChrist“ seien einen Indiz für den Vormarsch der Evangelikalen in Deutschland. Darüberhinaus sagte Huber, es sei „eine ungeheure Verdrehung der Debatte“, wenn manche sagen würden, er sei offenbar evangelikal geworden, weil er für Mission sei. (mehr…)
Vorsitzende von “Offene Kirche” im taz-Interview
Der schleichende Machtanspruch der Evangelikalen habe ein unerträgliches Ausmaß angenommen, sagte Kathinka Kaden, Vorsitzende der evangelischen, liberalen Vereinigung “Offene Kirche” in einem taz-Interview am 1.3.2009. Die Pastorin kritisiert den Einfluss der Evangelikalen auf die Landeskirche in Württemberg. “Sie betreiben eine massive Einschüchterung Andersdenkender”, so Kaden. Und der Dachverband der Evangelikalen, die “Deutsche Evangelische Allianz”, sei außerdem “sehr finanzstark, einflussreich und intransparent”, erklärt die evangelische Pastorin. An den Evangelikalen störe sie “das wortwörtliche Bibelverständnis, die theologische Enge, das Ausschalten der kritischen Vernunft” – das sei für sie fundamentalistisch. So sei “Feminismus” für die Evangelikalen fast schon ein Schimpfwort, ebenso wie “homosexuell”.
Evangelikaler Verband kritisiert Landeskirchen
Sie würden zwar grundsätzlich „Ja“ zur Volkskirche sagen, litten aber unter „einzelnen Missständen“, schreibt der Präses des „Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverband“, Christoph Morgner im Januar 2009 auf der Internetseite der Evangelischen Allianz. Der Verband vertritt einen Teil der Evangelikalen innerhalb der evangelischen Landeskirchen. Ihr Chef kritisiert zum Beispiel die „fragwürdige historisch-kritische Bibelauslegung“ oder die „gottesdienstliche Segnung homophiler Partnerschaften“. „Zu diesen und anderen Irrwegen nehmen wir klar aus biblischer Sicht Stellung“, so Christoph Morgner. Und er ergänzt: „Aber die Volkskirche ist mehr als die Summe der Missstände, an denen wir leiden.“ Und das offenbar vor allem, weil der evangelikale Einfluss wächst. „So freuen wir uns über die wachsende Zahl promovierter und habilitierter Theologen aus unseren Reihen.“ Morgner schreibt weiter, dass einige sogar Lehrstühle an den Universitäten bekleideten, was vor einigen Jahrzehnten „noch völlig undenkbar“ gewesen sei. Er freut sich auch über einen „vorzüglichen missionarischen wie diakonischen Resonanzraum“ in der Volkskirche. Doch die Landeskirchen sollen den Evangelikalen offenbar auch außerhalb der Kirche mehr Einfluss ermöglichen. Denn Christoph Morger schreibt: „Nur die Volkskirche bietet derzeit eine Chance, christliche Positionen im politischen Raum wirksam einzubringen.“
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