Blog-Info

Christliche Fundamentalisten halten ihren Glauben für den einzig wahren. Die Bibel ist Glaubensgrundlage und gleichzeitig strenges Regelwerk für den Alltag. Andere Religionen lehnen sie ab, alle Nichtchristen wollen sie bekehren. Homosexualität gilt als Sünde. Sex vor der Ehe ist verpönt. Die Evolutionstheorie stellen sie in Frage. Und bibeltreue Lobbyvereine bemühen sich um Einfluss auf Politik und Medien. Wir wollen kritisch über die Evangelikale Bewegung berichten.
Unser Buch "Mission Gottesreich – Fundamentalistische Christen in Deutschland" bietet einen Überblick. In dem Blog wollen wir weiter über Beiträge, Gemeinschaften und Veranstaltungen von Evangelikalen informieren sowie auf andere Berichte über Evangelikale hinweisen. Außerdem veröffentlichen wir hier Reaktionen auf das Buch.

Wulff ist kein aktives Mitglied mehr bei “ProChrist”

Bundespräsident lässt Mitgliedschaft bei umstrittener evangelikaler Organisation ruhen

Als Ministerpräsident hatte Christian Wulff (CDU) die Missionsorganisation “ProChrist” unterstützt – als Mitglied des Kuratoriums. Dafür war er scharf kritisiert worden. Als Bundespräsident ist Wulff nun nicht mehr Mitglied der evangelikal geprägten Organisation. Während seiner Amtszeit lasse er wegen der gebotenen Neutralität seine Mitgliedschaft ruhen, bestätigte die Pressestelle des Bundespräsidenten in Berlin.

Unter der Überschrift “Katholik, der mit Evangelikalen kungelt” hatte auch Zeit Online berichtet. Weitere Blog-Texte zum Thema: “Nach Wulff-Auftritt bei ACP: Anhörung im Landtag“, “Wulff unterstützt evangelikale Organisation ‘ProChrist’“, “Nach Wulff-Auftritt: weitere Kritik am ACP“, “Wulff spricht vor umstrittener evangelikaler Organisation” und ein Blogbeitrag über die evangelikale Organisation “ProChrist” “Von Gott zurüsten lassen“.



Evangelikale Gastrednerin hält Homosexualität für
“Ausdruck frühkindlicher Defizite”

Umstrittenes Institut veranstaltete Tagung zum Thema Homosexualität

Sie hält Homosexualität für ein Problem, wahrscheinlich sogar für eine Krankheit oder Störung – die US-Amerikanerin Janelle Hallman. So veröffentlichte sie zum Beispiel einen Artikel mit dem Titel “Weibliche Homosexualität – Diagnostik und Therapieansatz“. Die evangelikale Christin nennt lesbische Frauen “betroffene Frauen”, spricht in einem weiteren Artikel von “Symptomen” und glaubt, dass “homosexuell empfindene Frauen tiefe ungelöste Konflikte haben”. Hallman schreibt auch, dass sogenannte “prä-lesbische Mädchen” “fast immer in einen ruhelosen Aktivismus” verfallen. Darunter versteht sie, wenn Mädchen “ständig draußen” sind, auf Bäume klettern, mit dem Vater angeln gehen oder Sport treiben. Damit würden sie zum “Sohn” der Familie, so Hallman.

Ihren Ansichten bietet das evangelikal geprägte “Deutsche Institut für Jugend und Gesellschaft” (DIJG) ein Forum. Auf dessen Internetseiten sind mehrere Texte von Janelle Hallman veröffentlicht. Dort steht auch, Hallman sei als “Therapeutin” seit etwa zehn Jahren auf die Begleitung von “Frauen, die ihre Homosexualität konflikthaft erleben” spezialisiert. Außerdem sprach Hallman nach einem Medienbericht auf der Tagung “Weibliche Identitätsverletzungen und Homosexualität” in Kassel, veranstaltet vom DIJG. Das berichtete das evangelikale Nachrichtenportal idea.de Anfang Juli 2010 unter der Überschrift “Homosexualität: Veränderung ist möglich“.

Nach Angaben von idea.de erklärte Hallman dort, dass eine “Veränderung homosexueller Gefühle” möglich sei, “wenn Verletzungen erkannt und verarbeitet würden”. Laut Hallman könne Homosexualität verschiedene Ursachen haben, schreibt idea.de, “unter anderem eine fehlende Bindung zur Mutter oder sexueller Missbrauch”. Gleichgeschlechtliche Gefühle seien ihr zufolge “in den meisten Fällen Ausdruck frühkindlicher Defizite”. “Betroffenen” könne mit einer “Therapie” geholfen werden, heißt es weiter. Sie müssten sich “ihrem tiefen seelischen Schmerz” stellen und auf den Weg machen, “um ihre eigene weibliche Identität zu entfalten”.

Das umstrittene “Deutsche Institut für Jugend und Gesellschaft” gehört zu der Gemeinschaft “Offensive Junger Christen” (OJC). Die Einrichtung ist wiederholt in die Kritik geraten, weil deren Mitarbeiter für eine angeblich mögliche Veränderbarkeit von Homosexualität werben. Sie setzten sich für Männer und Frauen ein, “die ihre homosexuelle Orientierung als unerwünscht und als konflikthaft” erleben, heißt es auf ihrer Internetseite. Zeit Online kritisierte das DIJG in dem Artikel “Schwulenhetze, streng wissenschaftlich“. Die taz nannte das Institut eine “pseudowissenschaftliche Einrichtung“.

Die Bundesregierung warnte 2008 vor sogenannten Therapieangeboten, die eine Änderung von gleichgeschlechtlichem Sexualverhalten oder einer homosexuellen Orientierung zum Ziel haben. Sie könnten zu Ängsten und Depressionen bis zum Selbstmord führen. Die Drucksache dazu steht im Internet. Die meisten evangelikalen Christen halten Homosexualität für Sünde, viele sogar für eine Störung oder Krankheit.



Nach “ProChrist”-Kritik: Huber verteidigt Wulff

Früherer EKD-Ratsvorsitzender für Engagement bei evangelikaler Organisation

Wolfgang Huber, ehemaliger Ratsvorsitzender der “Evangelischen Kirche Deutschlands” (EKD), hat die Mitgliedschaft des neuen Bundespräsidenten Christian Wulff im Kuratorium der evangelikalen Organisation “ProChrist” verteidigt. Nach Angaben des Evangelischen Pressedienstes (epd) sagte Huber Ende Juni 2010 in München, er sei froh darüber, dass sich Politiker als Christen erkennbar machten.

Das Kuratorium von “ProChrist” sei ein reines Ehrengremium, so Huber laut epd, es habe keinen unmittelbaren Einfluss auf Planung und Gestaltung von “ProChrist”-Veranstaltungen. Dieser Einsatz komme aus der Überzeugung heraus, dass es wichtig sei, Menschen zu erreichen, denen der Glaube fremd geworden sei. In der Diskussion über “ProChrist” sieht Huber den Versuch, eine “neue Debatte über Evangelikale in der EKD und in den Freikirchen anzuzetteln, die nicht besonders zielführend ist”.

Bundespräsident Wulff war wegen seiner Mitgliedschaft bei “ProChrist” scharf kritisiert worden. Die Theologin Kirsten Dietrich zum Beispiel bezeichnete die evangelikal geprägte Organisation “ProChrist” als “fundamentalistische Bewegung”. Mehrere Kritiker forderten den Austritt Wulffs aus der umstrittenen Missionsbewegung. Zuvor war Wulff auch für seine Rede vor der evangelikalen Organisation “Arbeitskreis Christlicher Publizisten” (ACP) kritisiert worden. Kritiker – auch aus den Landeskirchen – werfen dem ACP nicht nur fundamentalistische, sondern auch extrem rechte Ansichten vor.



Wulff: “Katholik, der mit Evangelikalen kungelt”

Auch Zeit Online berichtet über Wulffs Mitgliedschaft im “ProChrist”-Kuratorium

Sich als aktiver Christ zu bekennen, gehöre für einen CDU-Politiker zum guten Ton, schreibt Autorin Claudia Keller Ende Juli 2010 in der Internet-Ausgabe der Zeit. Doch Niedersachsens Ministerpräsident und Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten, Christian Wulff (CDU), bewege sich mit seinem Engagement für “christlich-evangelikale Kreise” in “durchaus fragwürdigen Kreisen”, so Keller. Der katholische Politiker ist Mitglied im Kuratorium der evangelikal geprägten Organisation “ProChrist”. Der Artikel “Katholik, der mit Evangelikalen kungelt” ist bei Zeit Online nachzulesen. Auch der Tagesspiegel berichtete.



Wulff bei ProChrist: Theologin fordert Austritt

Theologin Dietrich spricht im Deutschlandradio über “fundamentalistische Bewegung”

Niedersachens Ministerpräsident und Kandidat für das Amt des deutschen Bundespräsidenten, Christian Wulff (CDU), ist Mitglied im Kuratorium der evangelikalen Organisation “ProChrist”. Über die bibeltreue Bewegung sprach deshalb Moderator Frank Meyer Ende Juli 2010 im Deutschlandradio mit der Theologin und Journalistin Kirsten Dietrich. In dem Interview bezeichnete Dietrich “ProChrist” als “eine Art christlicher Eventmanager”, der Missionsveranstaltungen “für jeden Bedarf” organisiere.

Für die Theologin ist “ProChrist” eine “fundamentalistische Bewegung”. Fundamentalisten seien Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden, so Dietrich, als man sich von christlicher Seite aus gegen Entwicklungen wie zum Beispiel die Darwin’sche Evolutionstheorie oder moderne Bibelkritik gewehrt habe. Christliche Fundamentalisten – das sei “eine ganz unglaublich vielfältige und weit gefächerte Bewegung”, sagte die Theologin. Aber sie lasse sich immer wieder auf ihren fundamentalistischen Kern zurückführen – “also eine möglichst wörtliche Interpretation der Bibel und ein deutlicher Abstand zu allem, was man als Wissenschaft bezeichnen könnte”.

Für “politisch gefährlich” halte sie die Bewegung nicht, so Dietrich, da sie sich am Rand des Parteigeschehens halte. Für Menschen, die in diesen Gruppierungen drin seien, aber nicht “direkt ins Raster” passten, sei es jedoch schwierig – zum Beispiel für Homosexuelle. “Die finden in evangelikalen Gemeinden keinen Ort, die finden niemanden, der sie so akzeptiert, wie sie sind”, sagte die Theologin in dem Hörfunkgespräch.

“ProChrist” zeige deutlich, dass jede Religion “immer auch irrationale Elemente” habe. Religionen würden eine “Eigengesetzlichkeit” vertreten, die sage, “letztendlich ist Gott die höchste Autorität, die wir haben”. Dafür ständen diese Gruppen, so Dietrich. Ihrer Meinung nach steht dafür aber nicht der Bundespräsident – der sollte dafür stehen, “dass wir in einem Rechtsstaat leben und dass da die Autorität liegt”. Deshalb hält sie die Mitgliedschaft von Wulff bei “ProChrist” für falsch. Sie forderte: “Ich finde es sogar nötig, dass Christian Wulff von diesem Amt zurücktritt.”

Das Interview ist auf den Deutschlandradio-Internetseiten nachzulesen und nachzuhören. Weitere Blog-Texte zum Thema: “Nach Wulff-Auftritt bei ACP: Anhörung im Landtag“, “Wulff unterstützt evangelikale Organisation ‘ProChrist’“, “Nach Wulff-Auftritt: weitere Kritik am ACP“, “Wulff spricht vor umstrittener evangelikaler Organisation” und ein Blogbeitrag über die evangelikale Organisation “ProChrist” “Von Gott zurüsten lassen“.



“Christian Wulff und die Evangelikalen”

Das Online-Kulturmagazin Perlentaucher über den Präsidentschaftskandidaten

Auch Perlentaucher-Autor und -Gründer Thierry Chervel schreibt über den Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten Christian Wulff (CDU) und seine Mitgliedschaft im Kuratorium der evangelikalen Organisation “ProChrist“. Seinen Blog-Artikel “Christian Wulff und die Evangelikalen” veröffentlicht er in dem Internet-Kulturmagazin Mitte Juni 2010.

Chervel kritisiert darin unter anderem den “ProChrist”-Leiter Ulrich Parzany und schreibt, dass der Prediger “praktizierte Homosexualität” ablehne und glaube, dass Homosexualität “gewissermaßen heilbar” sei. Auch klinge eine Äußerung des Predigers wie ein “Bekenntnis zum Kreationismus”, so der Blog-Autor.

Die niedersächsische Staatskanzlei bestätigte Perlentaucher Wulffs Mitgliedschaft bei “ProChrist”. Der Ministerpräsident habe danach im Februar 2005 seine Bereitschaft zur Mitwirkung im Kuratorium für das Jahr 2006 erklärt, weil diesem auch der damalige EKD-Ratsvorsitzende Bischof Wolfgang Huber angehört habe, heißt es. Wulff habe 2006 ein Grußwort für eine Veranstaltung in Holzminden gesendet, so die Staatskanzlei laut Perlentaucher.

Am Ende seines Blog-Artikels fordert Chervel : “Wulff muss noch vor der Wahl in der Bundesversammlung aus dem Kuratorium von ‘ProChrist’ austreten.”

Weitere Blog-Texte zum Thema: “Nach Wulff-Auftritt bei ACP: Anhörung im Landtag“, “Wulff unterstützt evangelikale Organisation ‘ProChrist’“, “Nach Wulff-Auftritt: weitere Kritik am ACP“, “Wulff spricht vor umstrittener evangelikaler Organisation” und ein Blogbeitrag über die evangelikale Organisation “ProChrist” “Von Gott zurüsten lassen“.



Nach Wulff-Auftritt bei ACP: Anhörung im Landtag

taz über Reaktionen der Oppposition nach Wulff-Rede vor evangelikaler Organisation

Kurz vor seiner Nominierung zum Bundespräsidenten-Kandidaten war Christian Wulff (CDU) bei einer Veranstaltung der umstrittenen Organisation “Arbeitskreis Christlicher Publizisten” (ACP) aufgetreten. Kritiker werfen dem ACP christlich-fundamentalistische und extrem rechte Ansichten vor. Über Reaktionen von SPD, Grünen und Linkspartei berichten Mitte Juni 2010 taz und NDR. “Die Opposition sieht die Regierung blamiert, die CDU findet alles ganz normal”, schreibt der Autor Andreas Speit in seinem Artikel “Wulff’scher Fehltritt: Evangelikale sonnen sich in Landesvaters Glanz”.

Die Fraktionsvorsitzende der Linken im niedersächsischen Landtag Kreszentia Flauger halte den ACP für eine “christlich-fundamentalistische Lobbygruppe, die sich am rechten Rand” bewege, heißt es in der taz. In einer aktuellen Stunde habe sie gefragt, warum Wulff die Einladung der Organisation angenommen habe.  Flauger findet laut taz, dass der Ministerpräsident mit seinem Besuch diese Kreise aufwerte. Auch Helge Limburg von der Grünen-Fraktion, wollte wissen, warum die Staatskanzlei die Einladung nicht abgelehnt habe. “Experten warnen doch schon lange vor dem ACP, weil er rechte Sichtweisen vertrete und eine klare Distanzierung von rechtsextremen Gedankengut vermissen lässt”, habe Limburg laut Speit gesagt.

Der Ministerpräsident fehlte nach Angaben der taz in der aktuellen Stunde. Kultusminister Bernd Althusmann (CDU) vertrat ihn und wies die Kritik an Wulff zurück. Auf Flaugers Frage, ob Wulff in Zukunft auch bei islamischen Fundamentalisten Vorträge halten werde, habe Althusmann laut taz geantwortet: “Der Ministerpräsident wird keine Veranstaltung von verfassungsfeindlichen Organisationen besuchen.” Der Minister habe außerdem darauf hingewiesen, dass Wulff nicht automatisch die Meinung derjenigen teile, bei denen er einen Vortrag halte.

Wulff selbst sprach sich in der ARD-Sendung “Farbe bekennen” für einen Dialog zwischen Christentum, Judentum und Islam aus. Es sei ganz wesentlich, dass die monotheistischen Weltreligionen auch das Gemeinsame suchten, nicht nur das Trennende, um damit “die Gefahr der Parallelgesellschaft, des Gegeneinanders, Gewalttätigen und Fundamentalistischen” einzudämmen.

Auch der Norddeutsche Rundfunk berichtete über die Anhörung, hier nachzulesen. Weitere Blogtexte zum Thema: “Wulff unterstützt evangelikale Organisation ‘ProChrist’“, “Nach Wulff-Auftritt: weitere Kritik am ACP“, “Wulff spricht vor umstrittener evangelikaler Organisation” und ein Blogbeitrag über die evangelikale Organisation “ProChrist” “Von Gott zurüsten lassen“.



Wulff unterstützt evangelikale Organisation “ProChrist”

Polit-Blog Carta über den Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten

In dem Politik-Blog Carta schreibt der Autor Daniel Leisegang Anfang Juni 2010 über zwei der drei Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten, über den niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff (CDU) und den DDR-Bürgerrechtler Joachim Gauck. Leisegang berichtet in seinem Text auch, dass Wulff aktiv die Missionarsbewegung „ProChrist“ unterstütze und findet, dass sei ein “dunkler Fleck auf seiner ansonsten farblosen Weste”. Erst vor wenigen Tagen, am 19. Mai 2010, hatte der katholische Ministerpräsident auf einer Tagung der umstrittenen Organisation „Arbeitskreis Christlicher Publizisten“ (ACP) eine Rede gehalten.

„ProChrist“ wie auch der ACP widersetzten sich der „Verwässerung der biblischen Botschaft“ und würden für “fundamentalistische Standpunkte” eintreten, so Leisegang. “Sie befürworten den Kreationismus, hetzen gegen Homosexualität und lehnen Abtreibungen strikt ab”, schreibt er weiter. Sektenbeauftragte kritisierten demnach auch, dass sich der ACP mehr oder weniger direkt gegen den säkularen Verfassungsstaat ausspreche und bisweilen auch die Nähe zu rechtsextremen Parteien suche.

Weitere Blogtexte zum Thema: “Nach Wulff-Auftritt: weitere Kritik am ACP“, “Wulff spricht vor umstrittener evangelikaler Organisation” und ein Blogbeitrag über die evangelikale Organisation “ProChrist” “Von Gott zurüsten lassen“.

Über Christian Wulff: Portrait bei tagesschau.de, “Schon immer Präsident” bei sueddeutsche.de, “Ganz nach oben gelächelt” bei zeit.de. Und von Christian Wulff: Selbstdarstellung auf seiner Homepage.



Nach Wulff-Auftritt: weitere Kritik am ACP

Vertreter der evangelischen Kirche spricht von “Vermittlungsorgan für Extremismus”

Sie wollen dafür sorgen, dass “biblische Denk- und Handlungsweisen” angemessen veröffentlicht werden, und dass “christliche Werte” in den Medien verteten sind – die Mitglieder des evangelikalen rechtskonservativen “Arbeitskreises Christlicher Publizisten” (ACP). 1991 bezeichnete das Nachrichtenmagazin Der Spiegel die Organisation als “ACP-Gemengsel freikirchlicher Eiferer, das gern Politiker vor seinen missionarischen Karren spannt”. Und auch heute noch versucht der ACP Politiker für seine Ziele einzuspannen.

Am 19. Mai 2010 trat nun Niedersachsens Ministerpräsident Wulff (CDU) bei einer Veranstaltung des “Arbeitskreises Christlicher Publizisten” auf und geriet deshalb in die Kritik. Der Weltanschauungsbeauftragte der evangelischen Landeskirche in Baden-Württemberg, Hansjörg Hemminger, hält es laut Norddeutschem Rundfunk für problematisch, dass sich seriöse Politiker aus dem bürgerlichen Lager auf Kontakte zum ACP einließen.

Hemminger erklärte dem NDR, am ACP sei verwerflich, dass er die “Werte und Institutionen unserer freiheitlichen Ordnung” zwar nicht aktiv bekämpfe, aber die Verfassung praktisch ständig in Frage stelle. Systematisch verkünde die Organisation den “Untergang des säkularen Verfassungsstaates”, da die Werte bedroht und die falschen Kräfte an der Macht seien. “Insofern ist der ACP ein Vermittlungsorgan für Extremismus und Fanatismus aus der rechten Ecke, aber auch aus dem Kreis der Sektierer”, sagte Hemminger dem NDR. Danach habe der ACP auch keine Probleme damit gehabt, ein Interview mit dem Chef der Partei der “Republikaner” abzudrucken, als diese noch als Rechtsextremisten vom Verfassungsschutz beobachtet worden seien.

Der ACP war für den NDR für eine telefonische Stellungnahme nicht zu erreichen. Die niedersächsische Staatskanzlei hatte den Vortrag bei der umstrittenen Organisation bereits zuvor gerechtfertigt – siehe auch Blogtext “Wulff spricht vor umstrittener evangelikaler Organisation“.



Für Gewalt gegen Kinder “aus echter Liebe”

Evangelist spricht sich für Schläge als Erziehungsmethode aus

Die Bibel spreche “eindeutig” von der “Notwendigkeit und Nützlichkeit von Zucht”, findet der Evangelist Wolfgang Bühne aus Meinerzhagen nach Angaben der evangelikalen Zeitschrift ideaSpektrum Ende April 2010. “In bestimmten Fällen von bewusst bösartigem Verhalten kann das auch körperliche Zucht beinhalten”, so Bühne.

Er sei nicht für Ohrfeigen, aber für eine “weise körperliche Züchtigung”, wie sie die Bibel beschreibe. Zucht sollte allerdings “nie im Zorn”, sondern “aus echter Liebe”, “wohldosiert” und “angemessen an der Körperstelle vollzogen werden, die der Schöpfer besonders gut gepolstert hat”, erklärt Wolfgang Bühne – laut ideaSpektrum Vater von sieben Kindern.

Ein Aufruf zu Gewalt gegen Kinder? In Deutschland haben Kinder ein Recht auf gewaltfreie Erziehung, so steht es im Bürgerlichen Gesetzbuch: “Körperliche Bestrafungen, seelische Verletzungen und andere entwürdigende Maßnahmen sind unzulässig.”



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