Früherer EKD-Ratsvorsitzender für Engagement bei evangelikaler Organisation
Wolfgang Huber, ehemaliger Ratsvorsitzender der “Evangelischen Kirche Deutschlands” (EKD), hat die Mitgliedschaft des neuen Bundespräsidenten Christian Wulff im Kuratorium der evangelikalen Organisation “ProChrist” verteidigt. Nach Angaben des Evangelischen Pressedienstes (epd) sagte Huber Ende Juni 2010 in München, er sei froh darüber, dass sich Politiker als Christen erkennbar machten.
Das Kuratorium von “ProChrist” sei ein reines Ehrengremium, so Huber laut epd, es habe keinen unmittelbaren Einfluss auf Planung und Gestaltung von “ProChrist”-Veranstaltungen. Dieser Einsatz komme aus der Überzeugung heraus, dass es wichtig sei, Menschen zu erreichen, denen der Glaube fremd geworden sei. In der Diskussion über “ProChrist” sieht Huber den Versuch, eine “neue Debatte über Evangelikale in der EKD und in den Freikirchen anzuzetteln, die nicht besonders zielführend ist”.
Bundespräsident Wulff war wegen seiner Mitgliedschaft bei “ProChrist” scharf kritisiert worden. Die Theologin Kirsten Dietrich zum Beispiel bezeichnete die evangelikal geprägte Organisation “ProChrist” als “fundamentalistische Bewegung”. Mehrere Kritiker forderten den Austritt Wulffs aus der umstrittenen Missionsbewegung. Zuvor war Wulff auch für seine Rede vor der evangelikalen Organisation “Arbeitskreis Christlicher Publizisten” (ACP) kritisiert worden. Kritiker – auch aus den Landeskirchen – werfen dem ACP nicht nur fundamentalistische, sondern auch extrem rechte Ansichten vor.
Auch Zeit Online berichtet über Wulffs Mitgliedschaft im “ProChrist”-Kuratorium
Sich als aktiver Christ zu bekennen, gehöre für einen CDU-Politiker zum guten Ton, schreibt Autorin Claudia Keller Ende Juli 2010 in der Internet-Ausgabe der Zeit. Doch Niedersachsens Ministerpräsident und Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten, Christian Wulff (CDU), bewege sich mit seinem Engagement für “christlich-evangelikale Kreise” in “durchaus fragwürdigen Kreisen”, so Keller. Der katholische Politiker ist Mitglied im Kuratorium der evangelikal geprägten Organisation “ProChrist”. Der Artikel “Katholik, der mit Evangelikalen kungelt” ist bei Zeit Online nachzulesen. Auch der Tagesspiegel berichtete.
Theologin Dietrich spricht im Deutschlandradio über “fundamentalistische Bewegung”
Niedersachens Ministerpräsident und Kandidat für das Amt des deutschen Bundespräsidenten, Christian Wulff (CDU), ist Mitglied im Kuratorium der evangelikalen Organisation “ProChrist”. Über die bibeltreue Bewegung sprach deshalb Moderator Frank Meyer Ende Juli 2010 im Deutschlandradio mit der Theologin und Journalistin Kirsten Dietrich. In dem Interview bezeichnete Dietrich “ProChrist” als “eine Art christlicher Eventmanager”, der Missionsveranstaltungen “für jeden Bedarf” organisiere.
Für die Theologin ist “ProChrist” eine “fundamentalistische Bewegung”. Fundamentalisten seien Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden, so Dietrich, als man sich von christlicher Seite aus gegen Entwicklungen wie zum Beispiel die Darwin’sche Evolutionstheorie oder moderne Bibelkritik gewehrt habe. Christliche Fundamentalisten – das sei “eine ganz unglaublich vielfältige und weit gefächerte Bewegung”, sagte die Theologin. Aber sie lasse sich immer wieder auf ihren fundamentalistischen Kern zurückführen – “also eine möglichst wörtliche Interpretation der Bibel und ein deutlicher Abstand zu allem, was man als Wissenschaft bezeichnen könnte”.
Für “politisch gefährlich” halte sie die Bewegung nicht, so Dietrich, da sie sich am Rand des Parteigeschehens halte. Für Menschen, die in diesen Gruppierungen drin seien, aber nicht “direkt ins Raster” passten, sei es jedoch schwierig – zum Beispiel für Homosexuelle. “Die finden in evangelikalen Gemeinden keinen Ort, die finden niemanden, der sie so akzeptiert, wie sie sind”, sagte die Theologin in dem Hörfunkgespräch.
“ProChrist” zeige deutlich, dass jede Religion “immer auch irrationale Elemente” habe. Religionen würden eine “Eigengesetzlichkeit” vertreten, die sage, “letztendlich ist Gott die höchste Autorität, die wir haben”. Dafür ständen diese Gruppen, so Dietrich. Ihrer Meinung nach steht dafür aber nicht der Bundespräsident – der sollte dafür stehen, “dass wir in einem Rechtsstaat leben und dass da die Autorität liegt”. Deshalb hält sie die Mitgliedschaft von Wulff bei “ProChrist” für falsch. Sie forderte: “Ich finde es sogar nötig, dass Christian Wulff von diesem Amt zurücktritt.”
Das Interview ist auf den Deutschlandradio-Internetseiten nachzulesen und nachzuhören. Weitere Blog-Texte zum Thema: “Nach Wulff-Auftritt bei ACP: Anhörung im Landtag“, “Wulff unterstützt evangelikale Organisation ‘ProChrist’“, “Nach Wulff-Auftritt: weitere Kritik am ACP“, “Wulff spricht vor umstrittener evangelikaler Organisation” und ein Blogbeitrag über die evangelikale Organisation “ProChrist” “Von Gott zurüsten lassen“.
Das Online-Kulturmagazin Perlentaucher über den Präsidentschaftskandidaten
Auch Perlentaucher-Autor und -Gründer Thierry Chervel schreibt über den Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten Christian Wulff (CDU) und seine Mitgliedschaft im Kuratorium der evangelikalen Organisation “ProChrist“. Seinen Blog-Artikel “Christian Wulff und die Evangelikalen” veröffentlicht er in dem Internet-Kulturmagazin Mitte Juni 2010.
Chervel kritisiert darin unter anderem den “ProChrist”-Leiter Ulrich Parzany und schreibt, dass der Prediger “praktizierte Homosexualität” ablehne und glaube, dass Homosexualität “gewissermaßen heilbar” sei. Auch klinge eine Äußerung des Predigers wie ein “Bekenntnis zum Kreationismus”, so der Blog-Autor.
Die niedersächsische Staatskanzlei bestätigte Perlentaucher Wulffs Mitgliedschaft bei “ProChrist”. Der Ministerpräsident habe danach im Februar 2005 seine Bereitschaft zur Mitwirkung im Kuratorium für das Jahr 2006 erklärt, weil diesem auch der damalige EKD-Ratsvorsitzende Bischof Wolfgang Huber angehört habe, heißt es. Wulff habe 2006 ein Grußwort für eine Veranstaltung in Holzminden gesendet, so die Staatskanzlei laut Perlentaucher.
Am Ende seines Blog-Artikels fordert Chervel : “Wulff muss noch vor der Wahl in der Bundesversammlung aus dem Kuratorium von ‘ProChrist’ austreten.”
Weitere Blog-Texte zum Thema: “Nach Wulff-Auftritt bei ACP: Anhörung im Landtag“, “Wulff unterstützt evangelikale Organisation ‘ProChrist’“, “Nach Wulff-Auftritt: weitere Kritik am ACP“, “Wulff spricht vor umstrittener evangelikaler Organisation” und ein Blogbeitrag über die evangelikale Organisation “ProChrist” “Von Gott zurüsten lassen“.
taz über Reaktionen der Oppposition nach Wulff-Rede vor evangelikaler Organisation
Kurz vor seiner Nominierung zum Bundespräsidenten-Kandidaten war Christian Wulff (CDU) bei einer Veranstaltung der umstrittenen Organisation “Arbeitskreis Christlicher Publizisten” (ACP) aufgetreten. Kritiker werfen dem ACP christlich-fundamentalistische und extrem rechte Ansichten vor. Über Reaktionen von SPD, Grünen und Linkspartei berichten Mitte Juni 2010 taz und NDR. “Die Opposition sieht die Regierung blamiert, die CDU findet alles ganz normal”, schreibt der Autor Andreas Speit in seinem Artikel “Wulff’scher Fehltritt: Evangelikale sonnen sich in Landesvaters Glanz”.
Die Fraktionsvorsitzende der Linken im niedersächsischen Landtag Kreszentia Flauger halte den ACP für eine “christlich-fundamentalistische Lobbygruppe, die sich am rechten Rand” bewege, heißt es in der taz. In einer aktuellen Stunde habe sie gefragt, warum Wulff die Einladung der Organisation angenommen habe. Flauger findet laut taz, dass der Ministerpräsident mit seinem Besuch diese Kreise aufwerte. Auch Helge Limburg von der Grünen-Fraktion, wollte wissen, warum die Staatskanzlei die Einladung nicht abgelehnt habe. “Experten warnen doch schon lange vor dem ACP, weil er rechte Sichtweisen vertrete und eine klare Distanzierung von rechtsextremen Gedankengut vermissen lässt”, habe Limburg laut Speit gesagt.
Der Ministerpräsident fehlte nach Angaben der taz in der aktuellen Stunde. Kultusminister Bernd Althusmann (CDU) vertrat ihn und wies die Kritik an Wulff zurück. Auf Flaugers Frage, ob Wulff in Zukunft auch bei islamischen Fundamentalisten Vorträge halten werde, habe Althusmann laut taz geantwortet: “Der Ministerpräsident wird keine Veranstaltung von verfassungsfeindlichen Organisationen besuchen.” Der Minister habe außerdem darauf hingewiesen, dass Wulff nicht automatisch die Meinung derjenigen teile, bei denen er einen Vortrag halte.
Wulff selbst sprach sich in der ARD-Sendung “Farbe bekennen” für einen Dialog zwischen Christentum, Judentum und Islam aus. Es sei ganz wesentlich, dass die monotheistischen Weltreligionen auch das Gemeinsame suchten, nicht nur das Trennende, um damit “die Gefahr der Parallelgesellschaft, des Gegeneinanders, Gewalttätigen und Fundamentalistischen” einzudämmen.
Auch der Norddeutsche Rundfunk berichtete über die Anhörung, hier nachzulesen. Weitere Blogtexte zum Thema: “Wulff unterstützt evangelikale Organisation ‘ProChrist’“, “Nach Wulff-Auftritt: weitere Kritik am ACP“, “Wulff spricht vor umstrittener evangelikaler Organisation” und ein Blogbeitrag über die evangelikale Organisation “ProChrist” “Von Gott zurüsten lassen“.
Polit-Blog Carta über den Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten
In dem Politik-Blog Carta schreibt der Autor Daniel Leisegang Anfang Juni 2010 über zwei der drei Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten, über den niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff (CDU) und den DDR-Bürgerrechtler Joachim Gauck. Leisegang berichtet in seinem Text auch, dass Wulff aktiv die Missionarsbewegung „ProChrist“ unterstütze und findet, dass sei ein “dunkler Fleck auf seiner ansonsten farblosen Weste”. Erst vor wenigen Tagen, am 19. Mai 2010, hatte der katholische Ministerpräsident auf einer Tagung der umstrittenen Organisation „Arbeitskreis Christlicher Publizisten“ (ACP) eine Rede gehalten.
„ProChrist“ wie auch der ACP widersetzten sich der „Verwässerung der biblischen Botschaft“ und würden für “fundamentalistische Standpunkte” eintreten, so Leisegang. “Sie befürworten den Kreationismus, hetzen gegen Homosexualität und lehnen Abtreibungen strikt ab”, schreibt er weiter. Sektenbeauftragte kritisierten demnach auch, dass sich der ACP mehr oder weniger direkt gegen den säkularen Verfassungsstaat ausspreche und bisweilen auch die Nähe zu rechtsextremen Parteien suche.
Weitere Blogtexte zum Thema: “Nach Wulff-Auftritt: weitere Kritik am ACP“, “Wulff spricht vor umstrittener evangelikaler Organisation” und ein Blogbeitrag über die evangelikale Organisation “ProChrist” “Von Gott zurüsten lassen“.
Über Christian Wulff: Portrait bei tagesschau.de, “Schon immer Präsident” bei sueddeutsche.de, “Ganz nach oben gelächelt” bei zeit.de. Und von Christian Wulff: Selbstdarstellung auf seiner Homepage.
Evangelist spricht sich für Schläge als Erziehungsmethode aus
Die Bibel spreche “eindeutig” von der “Notwendigkeit und Nützlichkeit von Zucht”, findet der Evangelist Wolfgang Bühne aus Meinerzhagen nach Angaben der evangelikalen Zeitschrift ideaSpektrum Ende April 2010. “In bestimmten Fällen von bewusst bösartigem Verhalten kann das auch körperliche Zucht beinhalten”, so Bühne.
Er sei nicht für Ohrfeigen, aber für eine “weise körperliche Züchtigung”, wie sie die Bibel beschreibe. Zucht sollte allerdings “nie im Zorn”, sondern “aus echter Liebe”, “wohldosiert” und “angemessen an der Körperstelle vollzogen werden, die der Schöpfer besonders gut gepolstert hat”, erklärt Wolfgang Bühne – laut ideaSpektrum Vater von sieben Kindern.
Ein Aufruf zu Gewalt gegen Kinder? In Deutschland haben Kinder ein Recht auf gewaltfreie Erziehung, so steht es im Bürgerlichen Gesetzbuch: “Körperliche Bestrafungen, seelische Verletzungen und andere entwürdigende Maßnahmen sind unzulässig.”
Buchautor ruft “Christen” auf, sich in die Medien-Berichterstattung einzumischen
“Medien – Die Werte der Meinungsmacher” – so heißt das aktuelle Buch von Andreas Dippel. Der Journalist leitet die Redaktion des evangelikalen Medienmagazins Pro. Deshalb ist das Buch auch in erster Linie ein Blick aus bibeltreuer Sicht auf die deutsche Medienlandschaft. Der Verlag nennt es auf dem Umschlag “eine kleine christliche Medienethik”.
Und so beginnt das erste Kapitel mit dem Satz: “Unter dem Blickwinkel der Medien ist die Situation der Christenheit in Deutschland erschütternd.” Damit beklagt Dippel, dass in Deutschland häufiger über den FC Bayern München berichtet werde als über die Arbeit der evangelischen und katholischen Kirche zusammen. Das ergab laut Dippel eine Untersuchung des Instituts “Media Tenor”. Weiter kritisiert der Journalist die Sensationslust vieler Medien und sogenannte “Problemsender” wie “Astro-TV”, “Sündenkanal” oder “Heiße Girls 666″.
Dippel findet offenbar auch, dass Christen – insbesondere evangelikale Christen – in den Medien immer wieder falsch dargestellt werden. Wenn “Journalisten über Gruppierungen unter Christen” schreiben, die sie als „christliche Fundamentalisten“ bezeichnen, wünscht sich Dippel, einen genaueren und objektiveren Blick.
Und Dippel will sich gegen kritische Berichterstattung wehren. An unzähligen Stellen ruft er “Christen” dazu auf, “ihrer eigenen Position Gehör zu verschaffen”. “Leserbriefe zu schreiben, sich in Foren zu beteiligen oder Hörer- und Zuschauertelefone zu nutzen muss zu einer neuen Selbstverständlichkeit werden”, so Dippel. Und Pastoren gibt er den Tipp, einfach mal den Chefredakteur seiner Lokalzeitung zu besuchen. “Ganz zwanglos, einfach vorher anrufen und sich vorstellen.”
Am Ende kann man zu dem Eindruck kommen, dass es dem Autoren nicht so sehr um die “Werte der Meinungsmacher” geht, sondern viel eher darum, die Meinung vieler sogenannter Meinungsmacher und deren Berichterstattung zu ändern. Denn so heißt es auch: “Christen können dazu beitragen, dass die Botschaft, die sie den Menschen schuldig sind, mehr und mehr über die Medien verbreitet wird.”
Quelle: Dippel, Andreas: “Medien – Die Werte der Meinungsmacher”, Brunnen Verlag 2010.
Das Medienmagazin Pro hat 2009 auch ein Interview mit uns über “Mission Gottesreich – Fundamentalistische Christen” veröffentlicht – mehr dazu hier.
Niedersachsens Ministerpräsident tritt beim “Arbeitskreis Christlicher Publizisten” auf
Nach einem Bericht des Norddeutschen Rundfunks hat Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) am 19. Mai 2010 bei einer Tagung des umstrittenen evangelikalen “Arbeitskreises Christlicher Publizisten” (ACP) gesprochen. In Bad Gandersheim war offenbar eine Rede zum Thema “Politik in christlicher Verantwortung in einer modernen Welt” geplant.
Dem ACP wurden mehrfach extrem rechte Sichtweisen vorgeworfen, außerdem die Diskriminierung homosexueller Menschen. Jürgen Schnare, Weltanschauungsbeauftragter der evangelischen Landeskirche in Hannnover sagte der NDR-Sendung “Niedersachsen 18.00″, die dort vertretene Haltung gegenüber Homosexuellen sei nicht die der Landeskirche. Das Christentum werde hier sehr “einseitig” interpretiert, so Schnare. Die Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen in Berlin rät laut NDR zu Distanz zu dieser Gruppe. Der Name sei danach irreführend, seriöse evangelische und katholische Publizisten seien dort nicht vertreten, sagte die Theologin Claudia Knepper von der Zentralstelle.
In einem Antrag der baden-württembergischen SPD Anfang 2003 heißt es: “Nach Auffassung des Sektenbeauftragten der Evangelischen Landeskirche Hans-Jörg Hemminger handelt es sich bei der Zeitschrift des ACP um ein ‘Schmutzblatt erster Güte’, das am äußersten rechten Rand des Protestantismus angesiedelt ist, mit rechten Sektengruppierungen Kontakte unterhält und den sogenannten ‘Republikanern’ ein Forum bot.” Auch die SPD in Niedersachsen stellte 2004 eine kritische Anfrage zum ACP.
Der Vorsitzende des ACP, Heinz Matthias, hatte Ende 2008 auch auf dem Bundesparteitag der christlich-fundamentalistischen “Partei Bibeltreuer Christen” (PBC) gesprochen. Matthias gab ihnen in seiner Rede Tipps für die Pressearbeit. Die Partei richtet sich unter anderem gegen Abtreibung und hetzt gegen Homosexuelle. In einer Broschüre der PBC steht zum Beispiel, dass Homosexualität “widernatürliches Verhalten” sei.
Der “Arbeitskreis Christlicher Publizisten” schreibt Mitte Mai 2010 auf seiner Internetseite: “Der ACP ist eine parteiunabhängige, internationale Vereinigung von Personen, deren Ziel eine angemessene Publizierung von biblischen Denk- und Handlungsweisen und der Vertretung christlicher Werte in den modernen Massenmedien ist.” Der ACP stelle sich bewusst dem Trend entgegen, der die biblische Botschaft politisiere oder in der Substanz verwässere, heißt es dort weiter.
In einer ersten Stellungnahme erklärte die Staatskanzlei nach Angaben des NDR, sämtliche Termine des Ministerpräsidenten würden auf ihre Unbedenklichkeit überprüft. Der ACP sei ein konservativer Verein, und der Ministerpräsident müsse sich dessen Auffassung nicht zu eigen machen. Im Übrigen werde der ACP auch nicht vom Verfassungsschutz beobachtet.
Weitere Blogtexte: “Evangelikale als eine Macht in der Politik” und “Graubereich zum Rechtsextremismus“
Aussteigerin aus einer Baptisten-Gemeinde berichtet über ihre Kindheit
Die Buchautorin Claudia Schreiber ist in einer frommen Baptisten-Gemeinde aufgewachsen, doch später kamen ihr Zweifel, und schließlich entschied sie sich gegen den strengen Glauben ihrer Eltern. In dem WDR-Radioprogramm “Funkhaus Europa” erzählt sie im April 2010 von ihrer Jugend. Sie störte damals, dass die Gemeindemitglieder immer wussten, was vermeintlich richtig und was falsch war. Strenge Regeln bestimmten ihr Leben. Sie durfte zum Beispiel nicht einmal Ohrringe tragen. Das galt als Sünde, “weil das Huren tragen.” Die Autorin hielt sich oft für schlecht. Schon wenn man kleine Dinge falsch gemacht habe, habe man sich als nicht richtig gefühlt. “Und das macht Sie als Kind wahnsinnig”, so Schreiber.
Sie fühlte sich auch unter Druck gesetzt, eine Bekehrung erleben zu müssen. Denn Familie und Gemeinde glaubten, dass Christus jeder Zeit wiederkommen könne, und dass dann die “Gerechten” – also Menschen, die einen streng bibeltreuen Glauben vertreten – von dem Himmel lebendig hochgezogen würden. Deshalb hatte Claudia Schreiber als Kind oft Angst, in diesem Moment übrig zu bleiben, weil sie sich nicht rechtzeitig bekehrt hatte. Auch die Intoleranz gegenüber Menschen, die ihren Glauben nicht teilten, gefiel ihr nicht. In der Gemeinde hieß es: “Andersgläubige sind falsch, die müssen bekehrt werden.”
Das Hörfunkprogramm “Funkhaus Europa” widmete sich ein Woche lang dem Thema “Evangelikale Christen.” Die Beiträge sind auf den Internetseiten des Westdeutschen Rundfunks nachzuhören.
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